Bereiste Länder:  Iran

Gefahrene km:     16520

Mit unserer „Nachtschicht“ hatten wir uns ein kleines Polster geschaffen aber Rumtrödeln können wir leider nicht. Die nächste Stadt auf dem Weg zur Grenze war Yazd, 326 km die wir da vor uns hatten. Kaum waren wir aus Esfahan raus ging es auch schon wieder hoch in die Berge, wieder über 2500 Meter hoch aber zum Glück blieb es dieses mal trocken und relativ warm. Kaum hatten wir allerdings den höchsten Punkt überschritten wehte uns sehr kräftiger Wind um die Nase der einfach nicht schwächer werden wollte. Das blöde an den Straßen im Iran, sie gehen für schier endlose Kilometer einfach nur gerade aus durch die  Wüste und wenn der Wind dir einmal kräftig von rechts um die Nase Weht dann bleibt das auch für die nächsten Stunden so, meistens jedenfalls.

Nach etwa zwei Stunden spürt man dann das auf einer Seite die Muskeln wesentlich stärker beansprucht werden als auf der anderen, ganz besonders spürte ich das an meinem rechten Nackenmuskel. Schon nach etwa 40 Minuten fühlte ich einen stechenden Schmerz, das kann ja heiter werden wenn das die nächsten 3 bis 4 Stunden so bleibt und was soll ich sagen, es blieb natürlich so allerdings gewöhnt man sich doch irgendwie an alles, sogar an einen stechenden Schmerz in der rechten Nackenmuskulatur!

Als wir nach Ca. 5 Stunden endlich Yazd erreicht hatten brauchten wir nur noch eine Unterkunft. Wie gesagt, im Iran verzichten wir sicherheitshalber mal auf unser geliebtes Zelt obwohl ich bei so mancher Herberge in die wir eincheckten mich nach meinen wackeligen Zeltwänden und meiner Matratze (Static V Luxe) gesehnt habe. Letztere jedenfalls immer rausgekramt und auf die Holzplanken des „Bettes“ gelegt, wenigstens etwas Comfort muss sein auch wenn man ihn sich selber schaffen muss. Dabei war das Zimmer mit immerhin 7 Euro pro Nase nicht gerade billig und WiFi gab es natürlich auch nicht. Ach ja, noch ein Ausrüstungsgegenstand den ich mit mir rumschleppe hat sich spätestens seit wir in solchen Hotels absteigen als sehr nützlich erwiesen, mein Ponchliner! Den lege ich immer noch auf das Bett, ich glaube so oft wechseln die hier die Laken nicht.

Für Yazd selber hätte ich gerne einen Tag mehr Zeit gehabt, irgendwie gefiel mir dort. Eine schöne alte Stadt, enge Gassen, freundliche Leute und richtig schöne alte Häuser aus Lehm, genau so wie sich eben eine Stadt in der Wüste vorstellt, zumindest wie ich sie mir Vorgestellt habe. Natürlich gibt es auch eine große prächtige Moschee und modernere Gebäude aber der alte Stadtkern hat mich irgendwie fasziniert.

Wie gesagt, ein weiterer Tag hätte sich da wohl gelohnt aber wir wollen pünktlich an der Grenze sein. Also weiter nach Kerman! Fast 400 km die wir da heute vor uns haben. Ich wohl nicht extra erwähnen das wir fast nur geradeaus durch die Wüste fahren und uns dabei ein kräftiger Wind von rechts um die Nase weht. Meine Nackenmuskulatur wird sehr einseitig trainiert. Gefährlich allerdings wird das ganze wenn man beim Überholen eines Trucks plötzlich im Windschatten fährt, da wackelt das Bike dann schon mal bedenklich. Ein Higlight des heutigen Tages war das Probesitzen in einem original MACK Truck von 1975, Respekt vor dem Trucker, da ist alles noch richtige Handarbeit und Luftgefederte Sitze waren da auch noch nicht erfunden. Von der Federung selber will ich gar nicht erst anfangen. Gegen 16:00 Uhr haben wir dann Kerman erreicht und mit Hilfe eines einheimischen Jungen fanden wir ein bezahlbares Guesthous in der Stadt. Viel war heute allerdings nicht mehr mit uns anzufangen. Duschen, schnell ein Internetcaffee suchen um die EMails vom Konvoiführer zu lesen, Abendessen und dann wieder rein ins Zimmer ohne Fenster und rauf auf die Holzpritsche oder besser gesagt auf meine Static V Luxe die auf meinem Ponchliner liegt der wiederum auf der Holzpritsche liegt. klingt doch alles sehr luxeriös oder? Blöd ist nur das die Toilette draußen im Hof ist aber da es im Iran eh kein Bier gibt muss ich nachts auch nicht raus. Alles hat eben auch seine guten Seiten.

 

Weiter geht es, Ziel des heutigen Tages ist Bam, die vorletzte Stadt in der wir im Iran übernachten werden und wir sind gut in der Zeit, das verschafft uns etwas Luft. Habe ich eigentlich schon gesagt das die Straße dahin fast nur gerade aus durch die Wüste führt? Etwas ist allerdings anders, der Wind fehlt, dann fällt Heute eben das Training für meine rechten Nackenmuskel aus. Etwas erstaunt mich allerdings doch, wir bewegen uns die ganze Zeit auf einer Höhe zwischen 1500 m und 2500 m, das hätte ich nicht gedacht das wir so lange da oben rumkurven. Relativ früh kommen wir in Bam an, so gegen 14:30 Uhr, also genau zur Siesta, es ist fast nichts los auf den Straßen. Mit Hilfe eines Einheimischen finden wir dann das von uns gesuchte „Akbars Guesthouse“ und zu unsere Freude steht da schon ein roter VW Bus aus Berlin und eine Tenere aus Italien. Endlich einmal ein paar andere Reisende. Der VW Bus gehört Florian und Christine, die beiden nutzen ihr Babyjahr und machen eine Reise die wenn alles klappt irgendwann in Bali enden soll und Ihr kleiner Janik, gerade mal 6 Monate alt ist natürlich mit von der Partie. Die Tenere gehört Antonio, der ist mit seiner Freundin Alexsandra auf einer kleinen Weltreise, ein Jahr Zeit haben die beiden für Asien und Südamerika. Weniger erfreut war ich allerdings als ich beim abrödeln meines Gepäckes schon wieder einen Plattfuß am Hinterreifen feststellen musste, die Ursache war auch schnell gefunden, der Flicken aus der Türkei hatte sich wohl gelöst. Da hab ic aber wieder einmal Glück im Unglück gehabt, er hat genau bis zur Einfahrt vom Guesthouse gehalten. Da hilft alles nix, Hinterrad raus und ab damit in die nächste Reifenflickbude. Unsere Unterkunft ist übrigens auch ein Quantensprung im Vergleich zu den letzten zwei Herbergen. Zugegeben sie ist aber auch etwas teurer aber wir haben uns bei Akbar sehr wohl gefühlt.

Wir beschließen an diesen Abend noch einen weiteren Tag in Bam zu bleiben und erst übermorgen nach Zahedan zu fahren, der letzten Stadt in der wir im Iran übernachten und da wir jetzt alle das gleiche Ziel haben fahren wir auch zusammen. Am nächsten Morgen musste ich allerdings erst ein mal mein Improvisationstalent unter Beweis stellen. Beim Duschen hatte sich irgendwie die Badezimmertür von außen verriegelt, das ist eigentlich nicht möglich aber hier hat es irgendwie geklappt. Da hilft kein rütteln und kein klopfen, hier muss mein messerscharfer Verstand einen Fluchtweg finden. Mein Blick fiel auf die obere Glasscheibe in der Tür, sie war mit Aluschienen und insgesamt 8 Schrauben befestigt, das ist meine Chance! Nur den Schraubendreher hatte ich leider nicht dabei aber auch dafür fand ich eine Lösung, der Nagelzwicker eignet sich hervorragend in solchen Situationen als Ausbruchswerkzeug. Nach einer knappen Stunde hatte ich es dann geschafft, die Scheibe war draussen und ich konnte die Tür öffnen. Natürlich war eine der Schrauben so festgerostet das ich sie fast nicht lösen konnte aber mit Geduld und Spucke klappt alles und was soll ich sagen, kaum hatte ich mich selbst befreit kommt Hubert zur Tür hereingeschneit und will schauen ob mit mir alles in Ordnung ist. Diese Idee hätte er auch ruhig etwa 45 Minuten eher haben können!

Den Rest des Tages verbringen wir mit der Pflege der Bikes (Luftfilter reinigen, Kette ölen…) und arbeiten am Blog, es gibt mal wieder WiFi und seit Kerman habe ich auch endlich wieder Zugriff auf mein Email Adresse und auf FB! Das wird sonst im Iran alles gefiltert. Einen kurzen Ausflug zum Castel machen wir auch noch, es ist allerdings schon zu Spät, der Eintritt hätte sich nicht mehr gelohnt, dafür haben wir aber Jorn getroffen, der Chef des Wohnwagenkonvois mit dem wir über die Grenze wollen, ein kurzes Gespräch konnten wir führen, die letzten unklarheiten sind fast beseitigt. Am späten Abend, gerade als wir eigentlich schlafen gehen wollten, kam plötzlich noch eine Tenere angefahren. Ein türkischer Biker, direkt aus Pakistan, sofort sind wir alle wieder wach und löchern ihn, das sind Infos aus erster Hand, die greifen wir uns natürlich sofort ab. Ein wenig schockiert waren wir als er uns sagte wie weit wir da von der Polizei Eskortiert werden, das hätte ich so nicht erwartet und der Rest wohl auch nicht.  Am nächsten morgen machte sich dann unsere neu gebildete Reisegruppe gemeinsam auf den Weg nach Zahedan. Lange sind wir allerdings nicht zusammen geblieben, schon an der ersten Tankstelle musste Florian weiter fahren weil es da keinen Diesel gab und ich habe schon wieder zu wenig Luft im Hinterreifen, das lasse ich gleich bei der nächsten Reifenflickbude überprüfen und siehe da, schon wieder steckt da etwas drin, dieses mal ist es so etwas wie eine Heftklammer, unglaublich, der Reifen scheint magnetisch zu sein, schon der vierte Platten aber immer hatte ich das Glück in der Nähe eine Werkstatt zu finden.

Endlich kann auch ich weiterfahren, wenn auch mit einem etwas unguten Gefühl, zwei Platten in drei Tagen, das gibt mir doch zu denken aber es hilft ja nichts, auf nach Zahedan. Den Rest der Reisegruppe hatten wir übrigens schnell wieder eingeholt, sie machte Pause im Schatten von einem alten Wach oder Leuchtturm, wir rätselten jedenfalls eine Weile was der Turm da mitten in der Wüste soll, ich tippe auf Leuchtturm um den Karavanen den Weg durch die Wüste zu zeigen, kann mich aber auch irren. Die Straße geht übrigens immer gerade aus durch die Wüste!

Wenn man so durch fremde Länder reist lernt man wirklich eine Menge. Die wichtigsten Erkenntnisse das heutigen Nachmittages:

  1. Eine Flasche mit Kamelstutenmilch steht unter genau so viel       Druck wie eine Bierflasche die Achterbahn gefahren ist!
  2. Kamelstutenmilch schmeckt wirklich beschissen!

 

Als wir am Straßenrand eine Kamelherde gesehen haben mussten wir sofort anhalten, die Kamelhirtenwaren luden uns auch sofort auf einen Schluck Milch ein aber wie gesagt, die schmeckt einfach nicht!

Am späten Abend treffen wir dann in Zahedan ein, die Italiener Verabschieden sich, sie haben eine Möglichkeit zum Couchsurfen und wir wollen uns mit den Wohnmobilisten im Hotel „Tourist Inn“ treffen. Das ist allerdings nicht so leicht zu finden, als erstes stehen wir vor den Schranken einer Kaserne, dann werden wir noch zweimal im Kreis geschickt und dann haben wir es irgendwann doch gefunden. Es herrscht reges Treiben, alle wollen noch Diesel fassen, der wurde Vorbestellt, wir suchen derweil eine Möglichkeit zum Schlafen, das Hotel ist voll und ein Zelt aufstellen geht auch nicht, jetzt wird es langsam eng. Mit Hilfe der Guids von Jorn bekommen wir dann doch noch ein Zimmer, allerdings dürfen wir das Badezimmer nicht benutzen, dann fällt die Dusche eben wieder aus. Aus dem Lager der Caravans dringen so langsam einige Gerüchte zu uns durch, Jorn weist uns am Abend dann noch einmal genau ein. Abfahrt wird morgen um 04:30 Uhr sein, über die Grenze und weiter bis Dulbandin soll es gehen, in Taftan, dem ursprünglichen Ziel direkt hinter der Grenze werden morgen jede Menge Pilger erwartet, da will man uns da nicht unbedingt haben. Naja, dann eben so, ich brauche erst mal was zu essen. Das ist hier gar nicht so einfach. Kekse und Süßkram findet man überall aber ein Brot zu bekommen wr wirklich nicht einfach, ich bin etwa 2 km gelaufen und dann fand ich endliche eine Bäckerei, ganz frisches Nam Brot, sehr lecker, das Abendessen und das Frühstück waren gesichert. Spät am Abend kamen dann auch noch zwei Spanier auf ihren Royal Enfields aus Pakistan an, sie sind auf dem Weg nach Hause. Einer von den Beiden fühlte sic etwas krank und so haben wir ihn kurzer Hand bei uns im Zimmer schlafen lassen.Hotel Tourist Inn in Zahedan, zwei spanische Biker mit Endfields, gerade aus Pakistan angekommen (1)

Der letzte Tag im Iran begann sehr hektisch, plötzlich klingelte das Zimmertelefon, die Eskorte die uns zur Grenze bringt war dran! Die Kolonne startet in 10 Minuten! Da haben wir mal kräftig verschlafen, das heißt Verschlafen eigentlich nicht denn Hubert war wohl schon wach und hat irgend etwas am seinem PC gemacht. Er hat einfach auf das Klingeln seine s Iphons gewartet. Er hat halt leider die Zeitverschiebung vergessen, das kann das Ipohn noch nicht alleine, das wundert mich eigentlich. Wie auch immer, Alarmstart, die Kisten aufgerödelt und raus auf die Straße, der Rest des Konvois war gerade aufgefahren, es ging also auch gleich los in Richtung Grenze. Nur Alexsandra und Antonio fehlten aber wer weiß wo die abgeblieben sind. Ab hier fährt übrigens keiner mehr ohne Polizeieskorte! Wenn man nach Zahedan kommt fallen auch sofort die vielen Polizisten und Soldaten auf, die sind hier auch nicht so entspannt wie sonst im Iran, ist wohl doch etwas gefährlicher hier in der Gegend. Alles in allem hat die Prozedur mit Ausreise aus dem Iran und Einreise nach Pakistan etwas über 6 Stunden gedauert, eine Stunde Zeitverschiebung haben wir auch noch und so ist es schon sehr später Nachmittag bis wir alles erledigt haben. Es war übrigens sehr hilfreich das wir uns der Gruppe angeschlossen haben, den ganzen bürokratischen Aufwand haben die Guid`s für die Gruppe erledigt, wir mussten einfach nur hinterher laufen, eine große Erleichterung für uns. Die beiden Italiener sind übrigens auch wieder aufgetaucht, sie hatten heute Morgen ein ähnliches Erlebnis wie ich dem Badezimmer in Bam, die Tür war einfach zu und sie kamen nicht aus dem Haus heraus.

Ich hätte gerne noch eine oder zwei Wochen mehr Zeit gehabt um den Iran intensiver zu bereisen aber es sollte wohl nicht sein und so sage  ich:

 

Auf wiedersehen Iran!

Auf zu neuen Abenteuern in Pakistan!

Der Konvoi auf dem Weg zur pakistanischen Grenze (4)

 

4 Gedanken zu „Mit Vollgas durch den Iran!

  1. Lieber Tino, danke fuer den ausfuehrlichen Bericht! Wir stehen auf dem Parkplatz vom Zahedan Tourism Hotel, und werden auch demnaechst zur Grenze aufbrechen… Alles Gute weiterhin!
    Geli & Bert

  2. Hallo,

    Wirklich wahnsinn, wo du überall lang bist. Ich überlege eine ähnliche Tour zu machen. Meine Frage ist eher auf die Beschaffung eines Visums für Pakistan bezogen. Wie habt ihr das mit dem geforderten Einladungsschreiben geregelt um das Visum zu bekommen?

    Weiterhin viel Erfolg und gute FAHRT!

    LG Jan

    • Hallo Jan,

      wir haben das einem Viesadienst machen lassen. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern welcher es war aber es gibt da sicher jede Menge Anbieter. Ich habe nur eine Flugreservierung mitgebracht aber ich glaube das brauchst du gar nicht. Falls du das Alleine machen willst dann schreib mich mal bitte auf Facebook an, ich habe da einige Bekannte in Pakistan die dir so ein Schreiben ausstellen können. Ich kann dich mit denen zusammen bringen.
      Facebook: Tino Werner
      Ansonsten viel Spaß bei der Vorbereitung und dann viele schöne Erlebnisse auf der Tour.

      LG
      Tino

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