Bereiste Länder:  Pakistan, China

Gefahrene km:    19800

Als dann gegen 10:00 Uhr endlich die Sonne hinter den Bergen auftauchte und es ein wenig wärmer wurde sind wir sofort aufgebrochen. Unser erstes Ziel ist Sost, dort noch einmal Volltanken und das Guest House von Allan Jan suchen. Beides war kein Problem. Die Tankstelle hatte sogar Benzin, das ist hier nicht selbstverständlich wie wir noch feststellen sollten und unser Gastgeber ist hier wohl ein sehr bekannter Mann, jeder den wir gefragt haben kannte das Guest House und ihn natürlich auch. Also schnell runter mit dem Gepäck, noch einen Tee mit Allan Jan und dann sollte er endlich los gehen, unser Trip zur Grenze von China auf der höchsten Fernstraße der Welt.

Es war inzwischen Mittagszeit, das Wetter war ausgezeichnet und wir waren bester Laune aber wir dürfen nicht zu viel Zeit verlieren, die Tage sind hier sehr kurz und die Nächte extrem kalt. Ich hatte es glaube ich bereits ein oder zwei mal erwähnt. Der Khunjerab Pass will muss man allerdings zuerst einmal Eintritt für den Nationalpark zahlen. Ganze 8 Dollar pro Nase sind schon ein stolzer Preis finde ich. Was soll`s, hier komm ich wahrscheinlich nur einmal her. Der letzte Checkpoint auf pakistanischer Seite befindet sich etwa 30 Kilometer vor der Grenze. Hier werden wir ein letztes mal überprüft und müssen unsere Reisepässe abgeben da wir kein China Visum haben. Ab jetzt geht es dann steil Berg auf. Meine Honda bekommt immer mehr Probleme mit der dünnen Luft! Antonio und Hubert fahren jeweils eine Maschine mit Direkteinspritzung, denen macht die dünne Luft hier oben überhaupt nichts aus aber ich spüre es mehr als deutlich. Sie nimmt fast kein Gas mehr an und hat ständig Fehlzündungen. Die einzige Möglichkeit die mir bleibt ist permanent Vollgas geben und immer mit der Kupplung spielen. Das geht gut solange die Straße noch frei von Schnee und Eis ist. Die Schneedecke auf der Straße wird aber zunehmend geschlossener und hinter jeder Kurve kann die Fahrbahn vereist sein.

Es dauert dann natürlich auch nicht lange bis das Spielchen „Vollgas und Kupplung ziehen“ in einem Filmreifen Stunt mit Ganzkörperbodenkontakt endet. Soll heißen das Hinterrad rutsch mir auf der Schneebedeckten Fahrbahn weg und ich liege der Länge lang auf der Straße! Leider kein Foto und passiert ist auch nichts, schneller als 10 oder 20 km/h bin ich hier nie gefahren.

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Irgendwann sieht die Straße halt so aus. Ich brauche Winterreifen oder Schneeketten

Als nächste hat es übrigens dann Antonio und Alexsandra erwischt, auch die beiden haben Bekanntschaft mit dem Straßenbelag gemacht. Das Tor zum Reich der Mitte war schon in Sichtweite. Zum Glück ist den beiden auch nichts passiert und wir können die letzen Meter unter die Räder nehmen. Die Landschaft hier oben wirklich traumhaft! Dafür haben wir das alles auf uns genommen. Wir haben Nächte lang gefroren, haben uns im Regen auf völlig verstopften und schlammigen Straßen durch kleine und große Städte gequält, haben stundenlang bei Demo`s und an Fährstellen gewartet, haben uns unzählige male in irgendwelche Kontrollbücher eingetragen, haben uns an vielen Tagen nur von Wasser, Keksen und Bananen ernährt und sind stundenlang hinter einer Eskorte her gefahren. Aber jetzt sind wir da, wir stehen ober auf der höchsten Fernstraße der Welt und können sogar über die Grenze nach bis nach China gehen. Hier oben steht kein einziger Grenzposten! Wir sind auf 4714 Metern Höhe!! Einfach genial!

Es ist ein wirklich gutes Gefühl, wir sind alle total Glücklich und Stolz. Wir haben es geschafft.  Doch plötzlich ändert sich alles rasend schnell! Alexsandra hat die ersten Sympthome der Höhenkrankheit! Atemnot, Benommenheit, Übelkeit und Schwindel wobei die Atemnot das Auffälligste Symptom ist! Sie Atmet sehr schnell und flach. Jetzt hilft nur eins, so schnell wie möglich wieder runter, dahin wo die Luft mehr Sauerstoff enthält. Das ist allerdings in unserem Fall nicht leicht, auf einem Motorrad kann sie sich nicht mehr halten, das ist unmöglich. Eine Gruppe von vermutlich hohen Militärs aus China die gerade mit einigen Luxusautos hier rauf kommen um die neue Grenzstation zu besichtigen könnte die Rettung sein, hoffen wir zumindest. Nicht schlecht mit was die da ankommen, Audi Q7, BMW X5  und Mercedes G Klasse kamen da plötzlich angefahren.  Jeder konnte sehen was mit Alexsandra los war, einige machten Fotos, ein wahrscheinlich etwas höherer Offizier Medikamente bringen aber in ein Auto setzen und sie ein paar hundert Meter nach unten bringen war für sie nicht möglich, sie dürfen Pakistan nicht betreten. Arrggg! Uns bleibt erst einmal nichts anderes übrig als sie langsam nach unten zu begleiten, immer abwechselnd und zu hoffen das irgendwann ein Auto, LKW oder Bus kommt der sie mit nehmen kann. Ihr Zustand verschlechtert sich ziemlich schnell und jeder Meter in dieser Höhe ist für sie extrem anstrengend. Endlich kommt ein LKW aus China aber er kann hier wohl nicht anhalten, da würde er wegen der Schneedecke nicht wieder wegkommen! Es ist zum  verzweifeln. Dann sehe ich den nächste LKW die Grenze passieren, dieses mal versuche ich das mit dem Fahrer persönlich zu klären! Ich „renne“ also zurück so schnell es hier oben eben geht und versuche dem chinesischen Trucker klar zu machen in welch verzweifelten Lage wir uns gerade befinden. Er ist sofort Hilfsbereit und nimmt Alexsandra mit nach unten. Wir sind alle erleichtert, so etwas kann böse enden. Wir setzen uns auf unsere Maschinen und sehen zu das wir so schnell wie möglich wieder nach unten kommen. Es ist spät geworden und wir wissen wie kalt es wird wenn die Sonne untergegangen ist. Irgendwie scheint die Strecke plötzlich viel länger geworden zu sein, es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis ich an dem Checkpoint bin an dem wir unsere Pässe abgeben mussten. Dort warten wir dann auf den chinesischen Trucker und Alexsandra. Ihr geht es wieder sehr gut, wir sind alle erleichtert sie Lachen zu sehen aber sie soll noch weiter mit dem Truck fahren.  Es dämmert bereits und wir haben noch fast 60 Km zu fahren, das wird sehr unangenehm werden. Bis zum nächsten Polizeicheckpoint sind es etwa 30 km. Dort warten wir erneut auf den Truck nur das wir dieses mal zuerst an einem wärmenden Feuer einen Platz angeboten bekommen und etwa 15 Minuten später fast genötigt werden in der Polizeistation einen Tee mit den Polizisten zu trinken. Warum nicht? Wir haben schlißlich genug gefroren.

Wir warten auf Alexsandra, der Truck ist uns dann doch ein wenig zu langsam unterwegs. Antonio nimmt seine Freundin wieder auf seinen Sozius und wir fahren nach Sost, Allan Jan wartet bereits auf uns. Bevor wir heute Vormittag aufgebrochen sind haben wir mit Allan vereinbart das wir Heute Abend ein kleines Yak Barbecue in seinem Guest House veranstalten. Das Flesich hat er inzwischen besorgt, Alexsandra bereitet es vor und wir ziehen los um Feuerholz, Zwiebeln und das gute Nan Brot zu besorgen. Das Feuerholz sollte sich am Ende als das teuerste und schwierigste  von allem erweisen aber allen Widrigkeiten zum Trotz haben wir es geschafft alles zusammen zu tragen und für verhältnismäßig viel Geld zu besorgen (Feuerholz)! Wir können Grillen! Im Hof von Allan Jan`s Guest House machen wir das Feuer, Alan kocht Tee, Alexsandra legt das Fleisch auf den Grill und wir haben alle noch einen herrlichen Abend mit viel Spaß und leckerem Essen. Sehr gerne nehme wir die Einladung an am nächsten Tag in Allans Dorf hier in der Nähe zu fahren und ein oder zwei Tage dort zu bleiben. Wir werden morgen nach dem Frühstück aufbrechen. Zufrieden und glücklich gehen wir Heute alle ins Bett. Alles ist gut gegangen und wir haben unser Ziel erreicht. Ein schöner Abend mit leckerem Yack Fleisch war der krönende Abschluss, was will man mehr? Mal sehen was uns bei Allan zu Hause erwartet.

 Frohes Fest!

Frohe Weihnachten wünscht Tino

3 Gedanken zu „Bis zum Reich der Mitte und zurück! Der Karakorum Highway Teil 2

  1. Hallo,lieber Tino
    wir wünschen Dir frohe Weihnachten und einen guten und gesunden Rutsch(nicht auf der Straße!) ins neue Jahr natürlich auch Deinen Mitstreitern!
    Wir haben gestern am Heiligen Abend an Dich gedacht.
    Deine Berichte sind SUPER-interessant.
    Vielen Dank für Deine lieben Grüße aus der Ferne!
    Wir grüßen dich alle und wünschen Dir eine gute und reparaturfreie Weiterfahrt.
    Tschüß bis zum nächsten Mal
    Anneli Steffen und alle unsere Weihnachtsgäste!

    • Vielen dank, mein Weihnachtsabend war sehr interessant. ich bin mit der Berichterstattung leider etwas im Verzug aber ich arbeite daran. Indien ist schon was ganz Besonderes finde ich. Dir Bernd wünsch ich auch noch viel Spaß in Australien und später Japan!

      Grüße Tino!

  2. Hallo Tino,

    von mir auch noch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Vor allem aber sonnige Grüße aus Australien! Genieß die Feiertage mit den Einheimischen!

    Bis bald!

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