Bereiste Länder:  Pakistan

Gefahrene km:    20924

Der Abend mit gegrilltem Yackfleisch und reichlich Tee endete für uns relativ früh. So gegen 21:30 Uhr krochen wir völlig fertig in die Betten, es war doch ein anstrengender Tag und es war zu kalt für einen geselligen Abend. Nach einem kurzen Frühstück am nächsten Morgen brechen wir auf. Allan hat uns zu sich nach Hause eingeladen, so etwas lassen wir uns natürlich nicht zwei mal sagen. Auch wenn ich mir hin und wieder doch ein paar Gedanken um die Sicherheit mache, wir sind immerhin in Pakistan und noch dazu nicht weit von der Grenze zu Afghanistan entfernt, das sollten wir nicht vergessen. Wie gesagt, wir warten bis es warm genug ist, verstauen das große Gepäck bei Allan Jan im Jeep und machen uns auf den Weg zu seinem Dorf.

 

Die befestigte Straße verlassen wir schon nach nicht einmal 3 Kilometern, ab dann geht es nur noch auf einem meist gut ausgebautem Feldweg weiter. Das kennen wir ja gut, da haben wir schon ganz andere Pisten gemeistert. Es macht mal wieder unheimlich viel Spaß hier durch die Berge zu fahren, fast ohne Gepäck und bei bestem Wetter.  Ein schöner Tag zum Motorrad fahren, wir genießen es und sind natürlich bester Laune.

Am frühen Nachmittag erreichen wir dann das Haus von Allan, als erstes trinken wir natürlich einen Tee zur Begrüßung. Das Dorf von Allan liegt im Jaipursan Valley und ist etwa 30 Kilometer von der Grenze zu Afghanistan entfernt. Wie gesagt, hin und wieder mache ich mir so meine Gedanken zum Thema Sicherheit aber wir wurden hier sehr herzlich aufgenommen und fühlten uns zu keiner Zeit irgendwie gefährdet. Ich weiß, das heißt gar nichts aber es beruhigt doch ein wenig. Allan und seine Familie bewohnen ein einfaches Haus, wir werden in einem Raum neben der Küche untergebracht. Wir sind wieder auf 3600 Meter Höhe, das bedeutet wieder sehr sehr kalte Nächte. Wir haben aber einen ganzen Berg Decken bekommen und unsere Schlafsäcke haben wir ja auch noch. Zwei wunderschöne Tage verbringen wir bei Allan und seiner Familie, werden mit Speisen und Getränken versorgt und am Schluss bekommt sogar jeder von uns noch Abschiedsgeschenk, damit hat wirklich keiner von uns gerechnet. Wir lernen viel über die Geschichte des Dorfes, über die Wakhi, die Volksgruppe dem Allan angehört und genießen einfach die Gastfreundschaft die uns da geboten wird. Ganz unverhofft treiben wir am Sonntag Nachmittag sogar noch Sport, wir werden von den jungen Männern aus dem Dorf einfach zum Fußballnachmittag eingeladen. Der findet hier jeden Sonntag statt, das lassen wir uns nicht entgehen. Lange halten wir das allerdings nicht aus, wie gesagt, die Luft ist sehr dünn hier oben und wir sind das nicht gewöhnt aber für etwa 30 Minuten haben wir genug Puste. Am Montag Vormittag verabschieden wir uns von unseren Gastgebern und treten den Rückweg an. Erstes Zwischenziel: Sost! Allan hat wieder einen Teil des Gepäcks in seinem Jeep, ich liebe Motorradtouren mit Begleitfahrzeug! Ich muss mich allerdings erst einmal um etwas Benzin kümmern, es könnte sehr eng werden bis zur nächsten Tankstelle aber hier, im hintersten Winkel der Welt kann man Benzin in einem kleinen Laden kaufen, er ist dann zwar etwas teurer aber immerhin bekomme ich welchen. Achja, ich habe noch kleines Problem, der zweite Gabeldichtring ist inzwischen kaputt! Ich hätte in Multan einfach beide gleich tauschen sollen, keine Ahnung wieso ich da nur einen gewechselt habe. Jetzt muss er halten bis wir wieder in Lahore sind.

In Sost laden wir dann unser restliches Gepäck wieder auf die Maschinen, besorgen noch ein paar Kleinigkeiten für die Familie von Allan und wollen dann ziemlich schnell weiter, vielleicht schaffen wir es heute sogar noch über den Attabat Lake zu kommen. Hier in Sost gibt es zwar eine Tankstelle aber die hat seit drei Tagen keinen Benzin mehr, also wieder einen „Benzinkiosk“ suchen und nochmal ein paar Liter etwas teureren Sprit nachfüllen. Es dämmert bereits als wir am See ankommen, wir überlegen kurz ob es nicht Sinn macht hier zu Übernachten und erst morgen früh den See zu überqueren aber ich erinnere mich da an die völlig zugeparkte Anlegestelle auf der anderen Seite und keiner von uns hat Lust morgen 4 Stunden auf einem Boot zu warten bis wir da endlich weiter fahren können. Also nehmen wir das nächste verfügbare Boot und laden die Motorräder auf. Dieses mal nehmen wir eines der kleinen Boote, der Luxusdampfer mit den Auffahrrampen ist leider nicht verfügbar. Eine wackelige Angelegenheit aber alles geht gut und kein Motorrad landet im Wasser. Wer dieses Abenteuer auch erleben will muss sich übrigens beeilen, angeblich soll die Straße im August 2015 eröffnet werden. Dann ist es wohl Vorbei mit der Schiffspassage. Es ist bereits Dunkel als wir dann vom Boot runterfahren, alles geht glatt und wir müssen auch nicht warten, kein LKW der die Anlegestelle zuparkt. Wir fahren noch die paar Kilometer bis zum Hunza Valley und Checken wieder im Hunza View Hotel ein. Der Tag endet mit einem gemeinsamen Abendessen.

Irgend etwas hat Alexsandra an diesem Essen allerdings nicht vertragen. Am nächsten morgen ist sie jedenfalls so krank das wir beschließen einen Tag Pause hier zu machen. Auch Hubert klagt über ein paar Probleme mit dem Magen. Mir geht es ausgezeichnet und ich machen einen kleinen Ausflug und schaue mir die Gegend an. Hier sind zwei alte Fort`s sehr dicht nebeneinander gebaut worden. Das Altit Fort, etwa 1100 Jahre alt und das Baltit Fort, etwa 800 Jahre alt. Ich schau mir natürlich beide an und verbringe den ganzen Nachmittag in Karimabad. Ich muss sagen dieses Örtchen ist eine Reise Wert. Heute Esse ich dann allerdings alleine, alle haben irgendwie Probleme mit dem Magen, nur ich nicht, noch nicht jedenfalls.

In dieser Nacht sollte sich das allerdings ändern, mein Magen tanzt Tango, ich bekomme einen heftigen Durchfall! Das ist eigentlich nichts neues für mich, seit wir in Pakisatan sind hatte ich schon hin und wieder Probleme aber noch nie war es so heftig! Bevor wir weiter fahren können muss ich mir erst einmal Imodium besorgen, meine Reserven sind aufgebraucht. Die Fahrt heute war eine Qual für mich, ich konnte es kaum erwarten bis wir unser Tagesziel erreicht hatten. Schnell abrödeln und dann sofort ins Bett! Ein paar Bananen, Kekse und viel Wasser, mehr gab es für mich heute nicht. Hoffentlich geht es mir morgen besser, in diesem Zustand Motorrad zu fahren ist wirklich kein Vergnügen. Zum Glück geht es mir am nächsten morgen etwas besser, jetzt kommt der anstrengende Teil der Strecke, der mit der schlechten Straße, da sollte man schon Fit sein sonst wird es schwer sich zu Konzentrieren. Beim Essen allerdings bleibe ich erst noch bei Wasser, Brot und Bananen. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich es zwar noch nicht aber das ist der Beginn meiner Zeit als Vegetarier! Wer hätte das jemals von mir gedacht!

Während alle schlemmen begnüge ich mich mit Wasser und Brot

Während alle schlemmen begnüge ich mich mit Wasser und Brot

Noch einen Tag später erreichen wir dann Islamabad, dort werden wir bereits von Zahed und seiner Familie wieder erwartet. Wir kommen wieder sehr spät an, der Verkehr ist wirklich kein Vergnügen. Am nächsten Tag ist dann eine Stadtbesichtigung geplant, ich lasse sie allerdings lieber ausfallen und verbringe den Tag im Bett, ich habe immer noch ein wenig Probleme! Schade, die Hauptstadt von Pakistan hätte ich mir schon gerne einmal angesehen aber der erholsame Schlaf war wichtig für mich.

Am nächsten morgen geht es mir dann endlich wieder besser, wir machen uns auf den Weg zurück nach Lahore, unserer letzten Station in Pakistan. Danach geht es nach Indien. Im Backpackers Inn bleiben wir allerdings noch drei Tage, so lange sind die Visa noch gültig und es ist einiges zu tun! Als erstes muss mal wieder die ganze Wäsche gewaschen werden, einiges an Ausrüstung muss repariert oder ersetzt werden und das wichtigste, die Motorräder brauchen alle eine Werkstatt. Antonio hat den eine Adresse von einem Mechaniker der sich mit großen Motorrädern auskennt, den zu finden gelingt uns allerdings wieder einmal nur dank der Hilfsbereitschaft eines Einheimischen der uns gesehen hat  und kurzer Hand nach einigen Telefonaten zu der Werkstatt gebracht hat. Bei wird der Gabeldichtring ersetzt, Antonio wechselt seine Bremsklötze und lässt eine gebrochene Speiche reparieren und Hubert dichte wieder seine Bremsleitung ab und repariert seine Koffer, allerhand zu tun nach unserem kleinen Abstecher in den Norden. Fast 2000 Km waren das unter teilweise extremen Bedingungen. Kein wunder das da einiges zu reparieren ist aber alles in allem sind es doch nur Kleinigkeiten. Einen Tag bevor wir dann Pakistan verlassen schauen wir uns noch die Wachablösung an der Wagah Border an, der Grenze zwischen Pakistan und Indien. Ein unglaubliches Spektakel! Eine Stimmung wie in einem Fußballstadion und eine perfekt inszinierte Militärparade der pakistani Rangers und der indischen BSF.

Zu Pakistan kann ich abschließend nur eines sagen, ich bin froh das ich den Ausflug in den Norden gemacht habe, wir haben sehr viele nette und freundliche Menschen kennen gelernt und uns wurde sehr viel Gastfreundschaft entgegen gebracht. Pakistan hat wirklich einiges zu bieten. Ein paar Bilder unserer fast vier wöchigen Reise durch Pakistan.

 

2 Gedanken zu „Die letzten Tage in Pakistan

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