Bereiste Länder:  Indien

Gefahrene km:    21461

Nach 5 Tagen in Amritsa wird es höchste Zeit weiter zu ziehen. Als erstes wollen wir in den Norden bevor das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung macht. McLeod Ganj, das Exil des Dalai Lama am Fuß der ersten hohen Himalaja – Hügelkette ist unser nächstes Ziel. Als wir es erst einmal geschafft hatten den chaotischen Verkehr der Stadt mit dem Goldenen Tempel hinter uns zu lassen machte das Motorrad fahren auch gleich wieder viel mehr Spaß. Erst recht als es dann langsam wieder in die Berge ging, kleine und enge Straßen die sich langsam die  Berge hinauf schlängeln. Der Verkehr hält sich auch einigermaßen in Grenzen und das Wetter ist Klasse. Unterwegs sehen wir dann auch die ersten Affen auf der Straße, sofort stoppen wir und es wird geknipst was das Zeug hält.

Die letzten Kilometer bis nach McLeod Ganj wird es dann allerdings noch einmal etwas stressiger. Zuerst müssen wir durch Dharmsala, natürlich erwischen wir genau die Rushhouer! Danach geht es noch einmal ziemlich steil den Berg hiauf auf sehr schmalen Straßen mit viel Verkehr, das ist noch einmal ganz schön anstrengend aber irgendwann stehen wir dann endlich oben, auf dem kleinen „Marktplatz“ von McLeod Ganj und suchen das Hotel das uns empfohlen wurde. Das liegt leicht versteckt in einer Seitengasse und mit unseren schwer bepackten Kisten sehr schlecht zu erreichen aber irgendwie schaffen wir es mit der Hilfe von einigen Einheimischen dann doch bis direkt vor die Tür und können einchecken.  Der Ort selber ist eigentlich eher ein Stück Tibet in Indien. Hier lebt der Dalai Lama seit 1960 im Exil und mit ihm jede Menge seiner Landsleute. Eine Woche bleiben wir hier, die Gegend ist schön und die Leute sind super, wir fühlen uns wohl. Ich erkunde die Gegend zu Fuß und Hubert macht ein paar Ausflüge mit seiner „Dicken“.

Die tägliche Rede des Dalai Lama kann man nach vorheriger Anmeldung im Touristenbüro live mitverfolgen. Mit viel Glück kann man ihn nicht nur hören sondern auch sehen, der Tempel ist zu dieser Zeit voll mit Menschen, verständlicher Weise.  Eine Woche voller schöner Erlebnisse, Eindrücke und neuer Bekanntschaften und sogar ein Wiedersehen mit alten Wegbegleitern aus Italien! Alexsandra und Antonio kreuzen in dem kleinen Ort plötzlich unseren Weg und wir verabreden uns gleich noch einmal für ein Abendessen! Am letzten Abend vor unserer Abreise kommt dann auch endlich Stephan an, er ist auch mit dem Motorrad von Deutschland bis nach Indien gefahren und hat einige Ersatzteile im Gepäck auf die ich schon sehnsüchtig warte und mein Taucher Logbuch, das hatte ich zu Hause vergessen.  McLeod Ganj ist auf jeden Fall eine Reise wert!

Als nächstes wollen wir uns Shimlar ansehen, den Sommersitz der Regierung britisch-Indien. hierhin flüchteten sie vor der drückenden Hitze in den Ebenen im Sommer. Wunderschön auf einem 12 km langen Bergrücken gelegen ist diese Stadt eine interessante Mischung aus englischen Kolonialbauten und indischen Livstyle. Wir erreichen die Stadt natürlich wieder erst als es bereits dunkel ist und ein Quartier haben wir auch noch nicht. Das hier viele Straßen für den Verkehr gesperrt sind erleichtert die Suche nicht gerade aber nach etwa einer Stunde haben wir dann endlich ein Hostel gefunden das ein bezahlbares Zimmer mit Frühstück anbietet. Einziger Haken an der Sache, wir müssen unser ganzes Gepäck 5 Stockwerke hoch schleppen und dann die Motorräder 2 km weit weg parken. Bei 2300 m Höhe kann das schon ganz schön anstrengend sein! Wer übrigens denk das es in Indien so etwas wie ein Nachtleben gibt wird bitter enttäuscht werden, als wir endlich fertig mit der ganzen Schlepperei sind wollen wir uns noch ein Bier genehmigen und erkunden die Stadt zu Fuß aber ab 22:00 Uhr macht hier alles dicht und so verschaffen wir uns nur einen kurzen Überblick in den dunklen Straßen und gehen Schlafen. Wie gesagt, der Ort war einmal der Sommersitz weil es in den Ebenen zu heiß wurde, jetzt ist es Mitte Dezember und die Nächte sind extrem kalt! Etwas zu kalt wie wir finden und so wird schnell der Plan gefasst sich einen Tag die Stadt anzusehen und dann morgen weiter zu ziehen, runter vom Berg und dahin wo es in der Nacht keinen Frost gibt.  Am Morgen nach dem Frühstück das es eigentlich ab 08:00 Uhr geben sollte aber das erst gegen 09:30 fertig war brechen wir auf die Stadt bei Tag zu erkunden. Wir beginnen mit dem Jakhu-Tempel, dem Wahrzeichen das man von weitem schon sehen kann. Hoch oben auf dem Berg wird hier dem Affengott Hanuman gehuldigt. Eine riesige Statue von ihm wurde auf dem Berg errichtet. Der Aufstieg dahin dauert etwa 20 Minuten und ist doch ein wenig anstrengend. Oben angekommen spüre ich plötzlich wie mich etwas von hinten anspringt und bevor ich weiß was passiert ist hat mir eine Affe meine Sonnenbrille vom Kopf gestohlen. Unglaublich wie schnell das ging, ich hatte vorher zwar schon einiges über die Dreistigkeit dieser Diebe hier oben gelesen aber das hat mich dann doch Überrascht. Natürlich steht sofort ein Mann da der Affenfutter verkauft und dann gibt der dreiste Dieb auch seine Beute bereitwillig wieder her! Die Affen sind hier übrigens so zahlreich vertreten das alles was man schützen will Affensicher gemacht werden muss, das bedeutet fast alles ist hier hinter Gittern und mit Stacheldraht gesichert. Nach dem Tempel geht es noch eine Runde durch die Stadt, die prächtigen Kolonialbauten besichtigen und am Abend noch über den Basar. Dort leiste ich mir dann ein neues Handy, inzwischen das dritte das ich kaufe seit ich unterwegs bin. Mit den gebrauchte hatte ich bisher immer Pech und so gibt es ein chinesiches Wunderwerk der Technik für kleines Geld. Mal sehen wie lange das hält. Die ganze Aktion hat auch wieder etwas mehr als 1 Stunde in Anspruch genommen da bei dem ersten Telefon das mir der Verkäufer angeboten hat sich einfach die Systemsprache nicht von englisch auf deutsch umstellen lies. Nach einer Stunde testen, probieren, nachfragen und googeln zieht er dann plötzlich ein anderes aus dem Regal, besser und billiger und die Sprache ist in  1 Minute umgestellt, ich hab ein neues Handy!

Am nächsten morgen geht es dann weiter nach Rishikesh, dem Ort in dem einst die Beatals einige Zeit in einem Ashram verbracht haben. Zuvor heißt es aber wieder auf das Frühstück warten und dann das ganze Gepäck wieder die 195 Stufen hinunter zu schleppen und die Kisten aufzurödeln. Dabei kommt ständig die Polizei vorbei und will das wir verschwinden, hier sind keine Fahrzeuge erlaubt. Ein Nervenaufreibender morgen muss ich sagen aber irgendwann kommen wir dann endlich los und schaffen es uns den Weg aus dem Gewirr von Einbahnstraßen und Sackgassen zu bahnen und sind wieder auf dem Weg ein wenig weiter in Richtung Süden. Eins muss ich noch zu Shimlar sagen, es war die bisher sauberste Stadt die ich in Indien gesehen habe. Hier habe ich das erste mal Schilder gesehen die nicht nur das Rauchen sondern auch das Spucken, das Pinkeln und das Müll wegwerfen in der Öffentlichkeit verbieten. Es geht anscheinend also doch!

13 Gedanken zu „Unterwegs im Norden von Indien

  1. Schön geschrieben, so dass man deinen Weg im geistigen Auge mit verfolgen verfolgen kann. Prima.
    Viel Glück, Gesundheit und tolle Erlebnisse weiterhin

  2. Hallo Tino,

    Wir haben uns in Selçuk (Turkei) getroffen. Mein Mann (Jean-Pierre) hatte ein BMW und wir kamen aus der Schweiz.
    Ich sehe, dass Deine Reise gut läuft. Ich lese nicht immer alles, denn auf Deutsch ist es für mich ein bisschen kompliziert. Aber Jean-Pierre liest dein Blog ab und zu und gibt mir Nachrichten.
    Wir wünschen dir alles gute zum Neues Jahr und ganz tolle neue Abenteuer!
    Take care!
    Nathalie

    • Hallo Nathalie,
      natürlich erinnere ich mich noch an Euch. Danke, schön wenn es Euch gefällt was ich da so zzusammenschreibe.
      Grüße in die Schweiz
      Tino!

  3. Hi Tino,

    HAMMER. Zugegeben ich schaue meistens mehr die Bilder zur Zeit an als das ich alles durchlese aber wann immer ich es tue bereue ich es nicht.

    Wenn du mal wieder Zuhause bist müssen wir mal uns zusammensetzen und einen schönen Rumtopf leeren.

    Pass gut auf dich auf und komm gesund wieder.
    Gruß Familie Siwek

  4. Hi Tino, verfolge mit Spannung deine Berichte und euer Abenteuer. Pass mir auch gut auf meinen Cousin Hubert auf :-).
    Wünsche euch weiterhin eine gute Reise und viel Glück;
    Gute Fahrt und liebe Grüße von Heidi

    • Hallo Heidi,
      leider haben sich die Wege von Hubert und mir inzwischen getrennt aber ich hoffe du schaust weiterhin ab und zu in meinen Blog
      Gruß Tino

  5. Hi Tino!!!
    war schoen dich unerwartet als deutschen Biker auf der Strasse zu treffen und n Tee mit dir zu trinken!!!
    da bist ja im Dunes gelandet, wo ich gerade her kam…
    bin mit meiner Enfield gut in Meherabad/Ahmednagar angekommen
    LG Juergen

    • Hallo Juergen, ja, war klasse dort. Ich bin inzwischen schon weiter nach Gokarn gefahren. War eine nette Begegnung. Wünsch dir noch viel Spaß auf deinen touren

  6. Hi Tino,
    habe wieder deine Seite gelesen und finde es wieder klasse. Bin selber im Moment im Urlaub in Deutschland und bin zur Zeit in Österreich zum Skifahren. Habe gerade meinem angehenden Schwiegersohn deine Seite gezeigt und es gefällt. Toll sind die Bilder aus Indien. Ich werde zum 01.04. wieder in Deutschland sein und Trabzon ist Geschichte. Dann werde ich meiner Susi den Klarglasscheinwerfer verpassen und Sturzbügel um wieder einige Kilometer abzuspulen.

    • Hallo Steffen,
      ja, es freut mich immer wenn ich einen Kommentar lesen kann. So ein Klarglas Scheinwerfer wäre auch für mich nicht schlecht gewesen und eine gepolsterte Sitzbank, die wäre noch wichtiger. Schön wenn euch meine kleine Seite gefällt, das motiviert zum weitermachen.

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