Bereist Länder:  Indien

Gefahrene km:  22962

So, das Pflichtprogramm wäre also erledigt und mal ehrlich, was ist das schon für eine Reis nach Indien ohne das Taj Mahal zu sehen? Ich muss sagen der Besuch hat sich wirklich gelohnt. Am nächsten Tag ziehe ich dann in aller Ruhe weiter, ich habe nicht vor Heute viele Kilometer zu fahren. Mein erstes Ziel ist Fatehpur Sikri, eine Stadt etwa 40 km von Agra entfernt. Sie war für kurze Zeit die Hauptstadt des Mogulreiches wurde aber wegen des Wassermangels in dem Gebiet nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Als ich die Grenze der Stadt erreiche werde ich sofort von zwei sogenannten Touristenführern auf einem Moped mit einem wichtig aussehenden Ausweis gestoppt, sie faseln irgend etwas von „offizieller Tour“ und „Folgen“, völliger Blödsinn, ich bin schon zu lange unterwegs um noch auf solche Typen herein zu fallen und so ziehen sie nach kurzer aber heftiger Diskussion wieder ab.

Als nächstes springt mir so junger Bengel direkt vor die Kiste und will mich unbedingt auf den kostenpflichtigen Parkplatz direkt vor den Toren der Stadt lotsen, langsam werde ich sauer, fast hätte ich den Typen angefahren. Von drei Seiten wird plötzlich auf mich eingeredet, ich müsste hier Parken, es ist verboten in die alte Hauptstadt zu fahren, bla bla bla. Völliger Quatsch und wenn mich einer so heftig auf seinen Parkplatz zwingen will dann fahre ich lieber unverrichteter Dinge weiter als ihm auch nur 10 Cent zu geben. Meine Lösung war Günstig und sehr praktisch, zuerst erkläre ich den Typen mal das ich hier mit Sicherheit nicht parken werde, dann fahre ich nur ein paar Meter weiter in die Stadt hinein, suche mir ein schickes kleines Hotel mit Restaurant und kleinem Parkplatz. Dort wird erst mal die Kiste abgestellt, ein Kaffee getrunken und ein wenig mit dem Chef gesprochen. Mit so einem voll bepackten Moped findet man immer leicht genügend Gesprächsstoff und die kleine Bitte die Kiste hier kurz stehen zu lassen während ich mir die alte Stadt anschaue konnte er mir natürlich nicht abschlagen. Nach meiner Besichtigungstour will ich dort auch eine Kleinigkeit essen, ich war schließlich auch hungrig. Alles kein Problem, na also, geht doch, man darf nur nicht auf den ganzen Mist reinfallen den einem alle möglichen angeblich offiziellen Typen erzählen. Ich muss sage ich bin allerdings auch schon das eine oder andere Lehrgeld bezahlt seit ich unterwegs bin. Die alte Hauptstadt empfängt mich mit ihrem wirklich mächtigen Eingangsportal, unglaublich beeindruckend, mir bleibt da fast die Luft weg. Natürlich steht oben am Eingang schon wieder ein junger Typ herum der mir unbedingt die alte Moschee zeigen will. Auf meinen Hinweis das ich keinen Guide brauche und auch kein Geld bezahlen werde sagte er das er hier offiziell angestellt ist. Ich glaube das zwar nicht und erkläre noch einmal das er von mir kein Geld zu erwarten braucht aber er lässt einfach nicht locker. Zugegeben, die kleine Führung war schon interessant aber am Ende landeten wir in einer Ecke wo angeblich seine Familie ihre angeblich selbst gemachten Souvenirs verkauft. War ja klar. Komisch das in ganz Indien jede Familie die gleichen Souvenirs selbst herstellt. Es dauert zwar etwa 2 Minuten aber dann haben sie begriffen das ich nichts kaufen werde, jetzt kommt dann der Typ der angeblich für die Stadt arbeitet und will doch ein Trinkgeld, hatte ich nicht drei mal darauf hingewiesen das es von mir keins gibt? Naja, die Führung war gar nicht so schlecht also lasse ich mich doch erweichen und gebe ihm 50 Rupien, etwa 75 ct, in seinem Gesicht konnte ich deutlich sehen das er mehr erwartet hatte aber ich hab es ihm ja vorher gesagt, selber schuld. Danach schau ich mich noch ein wenig in den Resten der alten Stadt um und nach einer kleinen Mahlzeit in dem Hotel wo ich meine Honda geparkt hatte geht es weiter.

Der Keloaedo Nationalpark ist mein nächstes Ziel. Der liegt etwa 50 km weiter direkt an der Straße nach Westen. Eine günstige Unterkunft ist nach einer kurzen Verhandlung auch schnell gefunden und ich habe noch genügend Zeit mir die kleine Stadt anzuschauen und mir meine Schuhe reparieren zu lassen. Am Abend kommt der Nebel und die Kälte zurück, es wird ein wenig ungemütlich. Der nächste Tag war eigentlich wie folgt durchgeplant, aufstehen um 07:00 Uhr, Frühstück, packen, Nationalpark besichtigen und dann weiter in Richtung Pushkar, übermorgen ist schließlich Weihnachten. Aufstehen um 07:00 Uhr hat auch geklappt, ein kurzer Blick aus dem Fenster sagte mir jedoch, leg dich wieder hin! Der Nebel ist ein treuer Begleiter in diesen Tagen. Es hilft nichts, wenn ich ein paar Tiere sehen will muss ich warten bis sich der Nebel verzogen hat und das ist meist erst gegen Mittag der Fall und dann ist es zum weiterfahren zu spät. Ich plane also wieder einmal um und bleibe noch eine Nacht hier. Das bedeutet dann am Heiligen Abend die nächste Etappe nach Pushkar zu fahren, das wollte ich eigentlich vermeiden aber so ist es eben manchmal. Den Park wollte ich mir keinesfalls entgehen lassen und so bleibe ich eben noch eine weitere Nacht hier. Gegen 11:30 Uhr hat sich der Nebel endlich verzogen und ich startete meine kleine Safari. Der Keloaedo Wildlife Park ist besonders für die vielen verschiedenen Vogelarten bekannt die man hier beobachten kann. Jede Menge fachkundigen Personal bietet am Eingang seine Dienste an. Man kann den Park mit einer Rikscha befahren, dafür zahlt man dann pro Stunde etwa 5€ und bekommt genau erklärt welchen Vogel man da gerade vor die Linse bekommt. Da es mir eigentlich egal ist ob ich da gerade den sibirischen gelbschnabel-, den südafrikanischen großaugen- oder den West englischen breitschwanz Storch sehe, für mich ist das alles einfach ein Storch und ich freue mich wenn ich einen sehe ( ja, ich weiß das es diese drei Arten nicht gibt) und außerdem hätte ich es spätestens am nächsten Tag sowieso vergessen. Ich entscheide mich für eine sehr günstige alternative und miete  mir für nicht einmal 50 ct ein hightech Fahrrad mit dem ich den Park 6 Stunden lang auf eigene Faust erkunden kann und ich muss sagen das hat sich wirklich gelohnt. Wenn man erst einmal aus dem Bereich der Stundenrikschas raus ist wird es plötzlich ganz ruhig und man kann wirklich viele Tiere sehen. Ich habe es sogar geschafft eine Python ganz aus der Nähe zu sehen aber einen Sicherheitsabstand von 5 Metern habe ich doch lieber eingehalten. Für mich hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt und nach fast 6 Stunden auf dem Rad bin ich wieder einmal völlig fertig. Morgen ist der 24.12.2014 und ich hab etwa 400 km zu fahren. Also früh ins Bett gehen ist angesagt, der Nebel und die Kälte kommen bei Einbruch der Nacht sehr schnell zurück.

Am nächsten morgen breche ich sehr früh auf, ich kann zwar kaum 50 Meter weit sehen aber ich will heute noch nach Pushkar und da heute Weihnachten ist will ich nicht erst spät am Abend ankommen. Ich muss sagen es war mal wieder ziemlich anstrengend, zumindest bis sich der Nebel endlich wieder verzogen hat. Heute hält er sich natürlich besonders lange und erst am frühen Nachmittag klart  es endlich auf. Pushkar selbst liegt am Rand der Wüste von Rajasthan, ein kleiner Ort der um einen See herum gebaut ist. Dieser See ist für die Hindus heilig. Gleich am Ortseingang werde ich abgefangen, ein Quartier für 2,50€, das schau ich mir doch mal an und tatsächlich, das Zimmer ist sauber, hat ein eigenes Bad, hin und wieder gibt es sogar warmes Wasser, WiFi funktioniert auch und meine Honda darf in der Lobby parken. Was will man da mehr? Puskahr ist so klein, da kann man innerhalb von 10 Minuten wirklich überall hin laufen. Mir gefällt es hier gleich vom ersten Augenblick an. Schnell wird die Kiste abgerödelt und ich ziehe los um mich ein wenig umzusehen und weil heute Weihnachten ist will ich mir mal eine Piazza gönnen, ich weiß gar nicht mehr wann ich die letzte gegessen habe, klar das ich dabei auch meine Weihnachtsmütze aufsetze, die hab ich noch in Agra extra gekauft. Ich fand schnell eine gute Pizzeria und durch meine Mütze wurde ich ziemlich oft angesprochen. Ich hab also ein wenig für Aufsehen gesorgt und lernte schnell drei Amerikaner kennen die auch gerade hier gegessen hatten. Es endete dann so das aus den Boxen der Pizzeria Weihnachtslieder schalten die wir lautstark mitgesungen haben. Ein schöner Abend muss ich sagen, damit hatte ich so wirklich nicht gerechnet. Später am Abend will ich mir noch ein Bier gönnen aber das ist hier gar nicht so einfach. In  Pushkar ist es eigentlich offiziell Verboten aber wenn man kurz Nachfragt  bekommt man auch sein Bier, serviert wird es allerdings in einer Teekanne, deshalb orderte ich von da an im „Hard Rock“, meine neue Lieblingskneipe, immer einen „Spezial Tee“. Ich hatte allerdings vergessen das es nachts hier sehr kalt wird und so holte ich mir am Heiligen Abend einen heftigen Schnupfen der mich dazu zwang noch ein paar Tage hier zu bleiben, mir gefällt dieser kleine Ort, deswegen macht mir diese Zwangspause auch nicht besonders viel aus. Am ersten Weinachtsfeiertag dann noch eine kleine Überraschung,ich treffe Antonio und Alexsandra wieder, sie machen auch hier einen kurzen Halt auf ihrem Weg nach Norden. Das wird jetzt aber wohl das letzte Wiedersehen gewesen sein.

Am 29.12.2014 geht es dann weiter noch tiefer in die Wüste hinein. Davon mehr beim nächsten mal.

3 Gedanken zu „Das Weihnachtsfest in Pushkar!

  1. Hi Tino,
    Die Bilder könnten einen dazu verleiten dort mal einen Ausflug hin zumachen aber die hilfsbereiten Touristenelfen schrecken einen dann doch ab. Konnte dein Ärgernis herauslesen. Trotzdem wieder ein gelungener Bericht.

    LG von den Spessart-Räubern J&K

  2. Hallo Tino,
    viele liebe Grüße aus der Heimat senden dir deine Nachbarn Jens und Dirk.
    Haben deine Berichte mit sehr viel Aufmerksamkeit verfolgt und wir sind sehr beeindruckt von deinen Mitteilungen. Wir wünschen dir weiterhin eine gute Reise, eine unfallfreie Fahrt und immer gute Luft im Reifen!

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