Bereist Länder:  Indien

Gefahrene km:  31203

So, das war also der südlichste Punkt meiner Indienreise. Ab jetzt geht es wieder nach Norden. Der Sonnenaufgang wurde mir ja durch die Wolken ein wenig vermiest aber so ist das eben manchmal. Bereits  um kurz nach 07:00 Uhr sitze ich auf meiner Maschine und fahre die Küstenstraße entlang. Mein erstes Ziel ist Rameshwar, das liegt auf einer Landzunge von der aus man nach Sri Lanka sehen kann. Eigentlich wollte ich ein par Tage auf Sri Lanka verbringen aber es gibt keine Fährverbindung mehr zwischen Indien und Sri Lanka.

Die einzige Möglichkeit ist also das Flugzeug, da müsste ich aber mein Motorrad irgendwo in Indien parken und ein paar Tage als Backpacker unterwegs sein, nein danke. Rameshwar selber hat ein paar schöne Tempel und historische Gebäude  zu bieten aber davon hab ich in den letzten Monaten genügend gesehen. Ich wollte bis ganz an die Spitze der  Insel, dort soll es eine verlassene Stadt geben und da wollte ich die Nacht in meinem Zelt verbringen. Leider war das unmöglich, die Straße zwischen Rameshwar und der „Geisterstadt“ wurde gerade gebaut, ich komme einfach nicht durch mit meiner Honda, in einem kleinen Fischerdorf ist Schluss. Man kann zwar mit kleinen Bussen durch Wasser und Sanddünen bis in die Stadt fahren aber dann muss mein Motorrad wieder stehen bleiben, also ist dieser Plan auch gestorben.  In Rameshwar wollte ich nicht bleiben, ich fahre einfach weiter in Richtung Norden. Als nächstes steht Ponducherry auf meiner Liste. Eine kleine Stadt an der Ostküste, ehemals französische Kolonie und sie soll sich diesen Charme bis heute bewahrt haben. Das schaffe ich allerdings Heute auf gar keinen Fall mehr, eine Übernachtungsmöglichkeit muss gefunden werden und da ich einmal beschlossen hatte zu Campen suche ich nun nach einem geeigneten Platz wo ich mein Zelt aufstellen kann. Kurz vor der Dämmerung biege ich also von der Küstenstraße rechts ab und lande in einem kleinen tamilischen Dorf. Einmal kurz Nachgefragt und keiner der Reisbauern hatte etwas dagegen das ich mein Zelt am Rand ihres Dorfes aufstelle. Ich glaube so etwas wie mich haben die da noch nie gesehen und sie konnten gar nicht verstehen wie jemand in einem Zelt schlafen kann. Am späteren Abend wurde ich dann sogar noch zum Abendessen eingeladen. Es war interessant zu sehen wie diese Menschen so leben. Am nächsten Morgen hörte ich bereits um 05:30 Uhr Stimmen vor meinem Zelt. Die Typen hatten echt Geduld, sie warten etwa 2 Stunden nur um zu sehen wie ich aus meinem Zelt krabbel.

Etwa gegen Mittag erreiche dann Ponducherry und die Hotelsuche beginnt wieder auf`s neue. Dieses mal habe ich allerdings Glück und finde gleich beim dritten Anlauf eine gute und bezahlbare Unterkunft.  Insgesamt verbringe ich etwas mehr als eine Woche in dieser Stadt. Mir gefällt es dort sehr gut und eigentlich wollte ich mir endlich einen kleinen Tauchgang gönnen aber ich musste erst mal das defekte Kameraobjektiv ersetzten. Das hat mein Budget heftig strapaziert. Der Tauchgang muss verschoben werden aber ich habe mit den Jungs vom Dive Center ein paar Biere geleert und sogar einen Ausflug nach Auronville gemacht.  Ponducherry selber hat sich viel von seinem alten französichen Charme bewahrt. Viele Gebäude der Altstadt, die Parkananlagen und sogar die Uniformen der Polizisten lassen erkennen wer hier mal Kolonialherr war. Die Stadt ist auch beiden Einwohnern der nahe gelegenen Großstadt Chennai als Ziel für einen Wochenendausflug sehr beliebt.

Meine Zeit in Indien geht langsam aber sicher zu Ende. Mein Visa endet in ca. 2 Wochen und eine Verlängerung ist nicht möglich. Ich will eigentlich nur noch eine Stadt besuchen, Varanasi, die Stadt am Ganges von der ich schon so viel gehört habe. Bis dort hin sind es allerdings über 2500 km. Die will ich so schnell wie möglich hinter mich bringen, fünf Tage hab ich eingeplant. Das bedeutet allerdings das ich pro Tag auch zwei mal an die Zapfsäule muss, damit ist dann mein Tagesbudget auch fast erschöpft. Es bleibt noch genügend übrig um mir hin und wieder einen kleinen Imbiss am Straßenrand zu genehmigen aber geschlafen wird in dieser Zeit im Zelt! Am ersten Tag komme ich sogar relativ gut voran,  es macht wieder Spaß auf dem Motorrad zu sitzen und die relativ gut ausgebaute Straße in Richtung Norden zu fahren. Viel zu spät fange ich an mir überhaupt Gedanken über einen Platz zum Campen zu machen. Ich fahre einfach bis es Nacht wird, dann wird erst einmal ein kleiner Imbiss eingenommen und dabei fange ich an mir Gedanken darüber zu machen wo ich denn mein Zelt hin stellen könnte. Hier ist das völlig unmöglich, ich fahre am Ende noch fast zwei Stunden über die immer schlechter werdende Straße durch die Nacht bis ich endlich einen halbwegs geeigneten Platz finde. Es ist eine Sandgrube direkt neben der Straße, dort schlage ich dann nach über 600 km bei Stockdunkler Nacht mein Zelt auf.  Um 06:30 Uhr beginnt die Arbeitszeit und ich Verstau mein Zelt wieder auf dem Moped. Natürlich hatte ich am Abend zuvor die Arbeiter gefragt ob ich mein Zelt da aufstellen darf und natürlich hatten sie nichts dagegen. Auch sie wollten mich wieder zum Essen einladen aber dieses mal war ich wirklich zu müde dazu. Ich wollte so schnell wie möglich im Zelt auf meiner bequemen Matratze liegen und endlich schlafen. Am Morgen wurde ich dann von allen noch freundlich verabschiedet und jeder wollte unbedingt noch fotografiert werden, um halb 8 war ich wieder auf der Straße und rollte weiter auf dem immer schlechter werdenden National Highway Nummer 7 in Richtung Norden.

Am nächsten Tag habe ich mir dann rechtzeitig vor der  Dämmerung um einen Schlafplatz gekümmert. Einen richtig schönen Platz habe ich da gefunden. Direkt an einem kleinen See auf einem abgeernteten Baumwollfeld, traumhaft nur ein Feuer wollten mir die Bauern leider nicht genehmigen, naja, ich war auch irgendwie zu Müde dafür.

Am nächsten Morgen geht es weiter. Ich kann es kaum glauben das diese schlechte Straße einer der wichtigsten Verkehrswege in Indien sein soll. Die Schlaglöcher werden immer tiefer und irgendwann gibt es plötzlich gar keinen Asphalt mehr sondern nur noch einen grob geschotterten Feldweg und jede Menge LKW die Unmengen von Staub  aufwirbeln, nein, das macht keinen Spaß mehr hier zu fahren! Ich war froh als ich am Abend endlich einen geeigneten Zeltplatz gefunden hatte und völlig fertig.

Die letzte Etappe bis nach Varanisi hat es noch einmal in sich! Der Feldweg der sich Nation Highway nennt ist vollgestopft mit LKW und Bussen. Ich komme kaum vorwärts. Irgendwann spät am Abend komme ich dann in Varanasi an.  Ich hab es also geschafft, nach 2500 km auf staubigen und teilweise extrem schlechten Straßen in 5 Tagen, das war teilweise ganz schön hart! Jetzt muss ich mich nur noch durch die völlig verstopfte Stadt bis zu meinem Hotel quälen. Das dauert auch noch einmal über eine Stunde aber zum Glück entfällt dieses mal die Suche nach einem Hotel, ich hatte am Nachmittag bereits über das Internet gebucht. Natürlich hatte ich dabei wieder mal nur auf den Preis geachtet aber dieses mal hatte ich sogar ein wenig Glück dabei. Das Hotel liegt zwar total versteckt etwa 20 m von der Hauptstraße und etwa 1 km vom Ganges entfernt aber wenigstens kann ich mit dem Motorrad bis vor die Tür fahren und bekomme sogar einen Parkplatz in der Lobby. Die meisten Hotels liegen direkt am Fluss und sind nur über enge Gassen zu erreichen, unmöglich für meine voll aufgerödelte Maschine.

Varanasi ist eine der ältesten Städte Indiens und die heiligste Stadt des Hinduismus. Die Stadt ist ständig voller Touristen und Pilger. Am Ufer des Ganges ziehen sich kilometerlange stufenartige Uferbefestigungen hin, die sogenannten Ghats. Hier werden an zwei Stellen rund um die Uhr die Leichen der Verstorbenen verbrannt, nur wenige Meter weiter baden die Pilger im Fluß. Diese Stadt hat einen ganz eigenen Charm. Am Ende verbringe ich hier fast zwei Wochen, die letzten Tage bevor mein Visum abläuft. Ich muss sagen irgendwie ist sie schon faszinierend auch wenn in jeder Ecke der Müll liegt und es an vieler Orts eigentlich zum Himmel stinkt. Ich seh mir die allabendlich Zeremonie an und mache eine Bootsfahrt auf dem Ganges. Der Bootsbesitzer hat an diesem Abend allerdings sein Geld leicht verdient denn ich wollte mich mal wieder ein wenig sportlich betätigen und habe die Ruder selbst in die Hand genommen. Ist nach über einem halben Jahr auf dem Motorrad doch ganz schön anstrengend gewesen muss ich sagen aber ich habe durchgehalten. Hier habe ich mich auch zum ersten mal Alex und Theresa aus Italien getroffen. Die beiden sind auch mit dem Motorrad auf dem Weg nach Australen.Wir hatten schon öfter über das Internet Kontakt, uns  verbindet ein gemeinsames Ziel, wir wollen Thailand auf dem Landweg erreichen. Die Kosten für die Durchfahrt werden geringer je größer die Gruppe ist. Ende April soll dieses neue Abenteuer für uns Starten.

Ich Verlasse Varanasi drei Tage vor Ablauf meines Visums. Bis zur Grenze nach Nepal sind es zwar weniger als zweihundert Kilometer aber die Straße ist in einem erbärmlichen Zustand. Ich will mir noch einen Tag Ruhe in Kushinagar gönnen. In dem kleinen beschaulichen Örtchen ist Buddha gestorben. Die meisten buddhistischen Länder haben hier einen Tempel, in einigen davon kann man sogar für wenig Geld übernachten. Als ich dann am nächsten morgen zur Grenze aufbrechen will regnet es. Wenn ich mich recht erinnere ist das der erste richtige Regen in etwas mehr als 3 Monaten Indien. Ich Krame also meine Regensachen hervor und nehme die letzten Kilometer auf der jetzt schlammigen indischen Straße unter die Räder. Noch eine Kleinigkeit zur Stärkung am Straßenrand und dann heißt es für mich erst einmal:

„Auf Wiedersehen Indien“! 

Ob es wirklich ein Wiedersehen gibt hängt ganz davon ab ob es mit der Durchquerung von Myanmar klappt. Alex kümmert sich darum, ich habe inzwischen mehrere Unternehmen in Kathmandu angeschrieben um mir ein paar Angebote für den Flug von Kathmandu nach Bangkok einzuholen. Wir werden später entscheiden was wir machen.

 

2 Gedanken zu „Zurück nach Norden

  1. HALLO Tino da ist wieder der HOCHIII hast lange nichts mehr von dir hören lassen DIE Fackelträger sind einfach toll anzuschauen DAS die leute dich so aufgenommen haben klasse HOFFENTLICH hat der Elefant dich zahrt gesegnet schone deine Haupthaare KANNST deine Honda doch beruhig etwas überladen siehe die Fahrräder oder Lastwagen UFF DAS zelten währe also nicht so mein ding ohne Komfort und die Unsicherheit bzw Gefahr haste muht hut ab Respekt BEI der bootsfahrt hest wohl brustmuskeltraining gemacht ok braucht man ja beim biken SEI froh das die schlammtour vorbei ist obwohl man sagt es kommt nichts besseres nach auf jeden falls wird’s im flieger angenehmer BIS zum nächsten bericht VIELE grüsse und weiterhin alles gute DER unbekannte motorradfan HOCHIII

    • Hallo Hochi,
      ich war ein wenig unterwegs in den letzten Wochen und bin nicht so richtig mit den Bericht voran gekommen. Das Internet lässt mich hier auch sehr oft im Stich.Ich arbeite fieberhaft am nächsten Bericht und verspreche das du dieses mal nicht so lange darauf warten musst. Ich danke Dir ind allen treuen Lesern für die Geduld die sie manchmal aufbringen müssen.
      Grüße
      Tino!

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