Bereist Länder:  Indien

Gefahrene km:  34043

Ich bin also zurück in Indien, zurück im Verkehrschaos, zurück in dem Land in dem der mit der lautesten Hupe Vorfahrt hat und in dem es anscheinend nur eine Verkehrsregel gibt, es gibt keine Regeln und in dem jeder fahren kann wie er will. Schon nach den ersten fünf Kilometern bin ich wieder so genervt das ich rechts ran fahre und mir einen Kaffee gönne. Zum Glück bleibe ich nicht lange auf der chaotischen Hauptstraße sondern biege wenige Kilometer hinter der Grenze nach Norden ab und fahre in die Berge in Richtung Darjeeling, eine Stadt mitten in den Teebergen von Wedstbengal gelegen. Hier macht es wieder viel mehr Spaß Motorrad zu fahren. Fast genau so viel wie zwei Tage vorher in Nepal nur die vielen Jeeps die die Touristen in die Stadt bringen empfinde ich als etwas störend. Die Suche nach einer bezahlbaren Unterkunft dauert dieses mal etwas länger und schließlich Bezahle ich dann 10 Euro für ein Zimmer mit eigenem Bad. Ein stolzer Preis für Indien, besonders wenn ich mir wieder diese Holzpritschen mit den harten Matratzen ansehe die man hier Betten nennt. Duschen, Wäsche waschen und Essen, das ist alles was ich heute noch erledigen kann bevor ich völlig fertig um kurz nach 21:00 Uhr ins Bett falle. Vorher habe ich allerdings noch ein wenig für Comfort gesorgt und die Static V Lux von Klymit, ein wirklich sehr nützliches Geschenk von meinen Freunden.

Am nächsten Tag wird dann erst einmal die Stadt erkundet. Tempel, Berge und die berühmte Schmalspurbahn die seit 1999 ein Weltkulturerbe ist werden besichtigt, alles in allem ein richtig schöner Tag. Am späten Nachmittag erlebe ich dann noch die Ankunft des Yoga Gurus Baba Ramdev, der wird hier gefeiert wie ein Rockstar. Ganze Schulklassen warten seit Stunden auf seine Ankunft, sie stehen entlang der Straße und jubeln ihm zu. Am nächsten Morgen um 05:00 Uhr gibt er dann eine Lektion auf dem Marktplatz. Ich war überrascht wie viele Leute sich zu dieser frühen Stunde dort versammelt haben. Nach über 30 Minuten Begrüßung geht es dann endlich los mit dem Frühsport. Es ist schon erschreckend wie unbeweglich die meisten Inder sind. Ich schau mir das Treiben etwa eine Stunde lang an dann habe ich genug gesehen, ich muss weiter. Bis zur Grenze von Myanmar sind es noch über 1000 km und ich habe noch fünf Tage Zeit. Ich packe mein Zeug zusammen und mach mich wieder auf den Weg. Dieses mal wähle ich eine andere Route, die wurde mir von einem Biker gestern Abend noch empfohlen, mindestens genauso schön wie der Weg nach oben allerdings fast ohne Verkehr. Da lacht das alte Motorradfahrerherz.

Der ganze Tag hält noch viele positive Überraschungen für mich bereit. Als erstes die Traumstrecke durch die Berge von Darjjeling zurück in`s Tal, dann geht es wieder durch endlos lange Teeplantagen. Es macht richtig Spaß zu fahren, super Wetter und fast kein Verkehr, keine Ahnung wo die ganzen LKW und Busse mit ihren nervtötenden Hupen plötzlich hin sind, ich vermisse sie wirklich nicht. Dafür brettern etwa 30 Royal Enfields während einer kleinen Mittagspause an mir vorbei. Ein paar Kilometer weiter treffe ich sie dann wieder, es sind die „Stormbringers“ aus dem Norden von Indien. Sie kommen gerade von jährliche Rallye von Kathmandu nach Pokhara und sind jetzt wieder auf dem Heimweg. Ein paar Fotos und ein paar nette Worte dann geht es weiter. Als nächstes kommt mir dann eine KTM entgegen, das ist Frank Vollman, ein echter Motorradveteran. Er war schon über drei Jahre in Amerika unterwegs und bereist jetzt den gesamten Subkontinent. Dabei schreckt er auch vor den schwierigsten Strecken nicht zurück, ein richtiger Haudegen eben. Von ihm bekomme ich noch einige wichtige Tipps für meine Weiterreise bis nach Moreh, der kleinen Grenzstadt zwischen Indien und Myanmar. Mein Zelt schlage ich an diesem Tag im Garteneines kleinen Restaurants auf, den ganzen Abend werde ich eingeladen zu Essen und das eine oder andere Bier zu trinken, ein richtig schöner Abend den nur der plötzlich einsetzende heftige Regen ein wenig vermiest aber gegen Mitternacht verkrieche ich mich dann endgültig in meinen Schlafsack. Leider regnet es am nächsten Tag immer noch, normalerweise würde ich so einem Tag nicht fahren aber ich muss weiter. Das ganze Zelt ist völlig Nass als ich es verstaue, ich hoffe ich kann es bald wieder trocknen.

Beim Tankstopp mitten im nirgendwo kommt plötzlich Thomas aus Italien mit seiner Honda Transalp angefahren. Er gehört auch zu unserer Gruppe der Myanmar Fahrer und wir beschließen die nächsten Tage zusammen zu fahren. Ist nicht leicht für mich, er ist auf den immer schlechter werdenden Straßen mit seiner Enduro wesentlich schneller unterwegs als ich mit meiner kleinen Tourenmaschine die auch noch voll Gepäck beladen ist aber irgendwie klappt es doch. Übernachtet wird im einzigen Hotel in einem kleinen Ort. Allerdings schlafen wir für kleines Geld im alten Speisesaal auf dem Fußboden. Die hunderttausend Moskitos in dem Raum waren sehr glücklich über unsere Anwesenheit. Trotz der Hitze habe ich komplett im Schlafsack geschlafen denn sonst wäre ich glaube ich völlig ausgesaugt worden, Wahnsinn! Wenigstens kann ich mein Zelt aufhängen und es trocknet über Nacht. Weiter geht es am nächsten Tag, wir fahren bis in die Nacht hinein und treffen uns mit Valerio, dem nächsten Biker aus Italien der mit uns durch Myanmar fährt. Langsam habe ich jetzt dann alle kennen gelernt. Die nächste Etappe geht bis nach Imphal, der letzten großen Stadt vor der Grenze zu Myanmar. Von Brian hatte ich erfahren das es in der ganzen Region keinen Benzin zu kaufen gibt, also noch mal die Tanks füllen bevor wir in die Stadt rollen. Unterwegs treffen wir noch eine Gruppe von 4 Bikern die gerade Myanmar durchquert haben. Ein paar nützliche Informationen können wir noch abgreifen bevor wir wegen des einsetzenden Regens wieder weiter müssen. Die Straße wird auch immer schlechter und an einer Stelle voller Schlamm passiert es dann, es ist so unglaublich rutschig das ich keine Chance habe, das Hinterrad rutscht mir weg und ich liege wieder mal auf meinem rechten Koffer. Es ist so glatt das wir drei Leute brauchen um die Maschine wieder aufzustellen. Direkt danach kommt Thomas noch bevor ich ihn warnen kann liegt auch er auf der Seite, auch hier schaffen wir es nur zu dritt die Maschine wieder Aufzustellen und ein paar Meter weiter liegt er gleich noch einmal auf der Seite, jetzt hat sein rechter Koffer aber auch eine völlig neue Form bekommen. Unglaublich wie Glatt dieses kleine Stück des Weges war. Nur Valerio hat sich wacker auf seiner Kawasaki gehalten. Übernachtet wird übrigens bei einer Familie im Wohnzimmer. Valerio hatte von einem Bekannten den Namen einer kleinen Organisation bekommen bei der man angeblich kostenlos übernachten kann. Die Recherchen im Internet brachten uns dann eine Telefonnummer und eine Adresse, wie sich herausstellen sollte war allerdings beides Falsch aber die Familie nahm uns über Nacht auf und wir eine recht komfortable Unterkunft mit Frühstück, manchmal muss man einfach Glück haben! Das wir uns bereits in der Grenzregion aufhalten merken wir den Unzähligen Militärkolonnen und Patrouillen die hier unterwegs sind.

Am nächsten Tag mach ich mich alleine auf den Weg in die kleine Grenzstadt Moreh. Thomas und Valerio bleiben noch in Imphal, Thomas repariert seinen demolierten Seitenkoffer und Volerio wartet auf Ihn. Es geht noch einmal über die Berge, wunderschöne Strecke und eine überraschend gute Straße. Auffallend sind die vielen Checkpoints auf der Strecke, die Grenzregion hat es wohl in sich. Ich kann allerdings alle bis auf einen passieren. Erst kurz vor Moreh muss wird jeder registriert der in die Region fährt. Ein kurzer Fragebogen muss ausgefüllt werden, woher, wohin, wie lange schon in Indien, Name……, das übliche eben. Dann geht es auf zur letzten Station im Subkontinent. Wieder finde ich gleich auf Anhieb die günstigste Unterkunft in der ganzen Stadt, ich sehe mir zwar noch zwei oder drei andere Hotels   an aber sie waren nur teurer aber nicht besser. Ich dreh natürlich noch eine Runde durch das kleine Grenzstädtchen und entdecke auf einem Parkplatz einen Ford Transit mit Berliner Kennzeichen. Das ist Manuel, er ist mit seiner Hündin Chucky auf dem Weg nach Kambodscha, ein echter Auswanderer. Es steht auch noch ein großer LKW mit Wohnkabine auf dem Parkplatz, das sind Anna und Everisto aus Spanien, sie reisen schon seit mehreren Jahren um die Welt. Zuerst waren sie mit einem Boot unterwegs und jetzt mit einem IVECO Truck. Damit habe ich dann alle Mitglieder unserer kleinen Myanmar Reisegruppe kennen gelernt. Ein Truck, ein Kleinbus und sechs Motorräder. Etwas später sehe ich wie Brain, Jenny und Oliver auf ihren Biks in die Stadt kommen. Wir genehmigen uns erst einmal ein Bier auf dem Dach ihres Hotels. Danach werfen wir alle unsere letzten indischen Rupien in einen Topf und genehmigen uns ein kleines Abendessen und ein paar Bier. Da hier wie überall in Indien um 21:00 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden nehmen wir noch ein paar Bier mit auf den Heimweg. Oliver hat dann plötzlich die Idee Anna und Everisto noch einen Besuch abzustatten. Wir kapern also ihren Truck und stoßen auf unsere nächsten gemeinsamen Tage in Myanmar an. Alles in allem ein sehr schöner und lustiger Abend und ein würdiger Abschluss nach über 5 Monaten im Subkontinent. Morgen früh wird dann ein neues Kapitel in meinem Reistagebuch aufgeschlagen, es geht nach Myanmar aber erst Frühstücken wir noch gemeinsam bevor wir die Grenze passieren wollen. Mal sehen welche Abenteuer und Erlebnisse mich in Süd-Ost-Asien erwarten.

 

Ein Gedanke zu „Indiens schöner Norden

  1. HALLO Tino sei gegrüsst hier ist der HOCHIII DA machst dich aber gut als lokführer VON dem yoga Guru hättest doch etwas lernen können evt Entspannungsübungen auf dem Motorrad HOFFENDLICH haste bei dem tempel die glocken geleutet das bringt glück DAS doch soviele Motorradfahrer unterwegs sind ist der hammer DA hast aber einen heftigen regen erwischt aber das wird sich sicher noch öfter wiederholen SO eine rutschparty habe ich einmal am Meer erlebt es hat geregnet und die strassen wurden spiegelglatt wegen des salzbelages WEITERHIN alles gute glück und Gesundheit HOCHIII

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