Bereist Länder:  Malaysia

Gefahrene km:   58018

 

Es also wieder einmal so weit, meine Zeit in Thailand ist um, das Visa läuft ab und ich ziehe weiter in Richtung Süden. Als nächstes steht Malaysia auf meiner Liste. Die Ausreise aus Thailand war völlig unproblematisch, nur auf den Stempel im Reisepass muss ich fast eine Stunde in der Mittagshitze warten, es sind einfach zu viele Leute vor mir dran. Selber schuld denke ich mir, ich hätte ja auch zwei oder drei Stunden früher losfahren können aber was soll`s. Die Einreise in Malaysia geht dafür sehr schnell. Eine extra Fahrspur für Zweiräder und keine Formalitäten die erledigt werden müssen. Den Stempel mit dem drei Monatsvisa gibt es völlig kostenlos fast wie am Drive Inn schalter quasi im vorbeifahren. Ich mach mich dann noch auf die suche nach einem Zöllner der mir mein Carnet abstempelt, das Büro hab ich zwar gefunden aber besetzt war es nicht und ewig suchen will ich auch nicht ewig, ich hatte vorher schon gehört das es hier normal keinen Stempel in dieses Zolldokument bekommt es soll dann allerdings schon Probleme bei der Weiterreise nach Indonesien geben. Da für mich feststeht das ich wieder über den selben Grenzübergang zurück nach Thailand fahren werde dürfte das kein Problem werden und so nehme ich dann schließlich gegen 14:00 Uhr die ersten Kilometer auf Malaysias Straßen unter die Räder.

Wieder einmal ist alles anders, alles neu. Neue Sprache, neues Geld, andere Mentalität ja sogar anders Klima. Genau das fasziniert mich so an dem was ich tue, es wird eigentlich nie langweilig und wenn es doch einmal so weit kommen sollte dann einfach mal über eine Grenze fahren und du musst die wieder völlig umstellen. Über Malaysia weiß ich eigentlich so gut wie gar nichts, ich hatte mir vor dem Grenzübertritt noch nicht einmal Gedanken gemacht wo ich denn die erste Nacht in dem neuen Land verbringen werde. Ich hatte nur mehrfach den Namen Georgtown gehört, das liegt auf der Insel Penang und ist gerade einmal 200 km von der Grenze entfernt wie mir ein Blick auf mein Handy mit dem ich inzwischen navigiere verrät. Was mich dort erwartet weiß ich nicht aber ich hatte bei meiner Rundfahrt im Norden von Thailand unter anderem auch einmal eine Gruppe von Bikern von dieser Insel getroffen und musste Ihnen versprechen das ich mich bei ihnen Melde falls ich einmal diese Insel besuchen sollte. Zuerst einmal habe ich allerdings ein unglaubliches Glück, angeblich hat es in Malaysia seit 4 Monaten  nicht mehr geregnet aber kaum bin ich dort unterwegs ziehen in Windeseile pechschwarze Wolken auf und ein heftiger Monsunregen prasselt auf mich ein. Deckung finde ich wie hier so üblich unter einer Autobahnbrücke mit einigen anderen Leidensgefährten. Nach etwa einer Stunde kann es endlich weiter gehen, allerdings krame ich seit sehr langer Zeit meine Regensachen wieder raus. Über die wirklich beeindruckende Brücke geht die umgerechnet gerade einmal umgerechnet etwa 2 Euro Gebühr kostet geht es dann auf die Insel Penang. Georgtown liegt ziemlich im Süden der Insel und je näher ich komme desto dichter wird auch der Verkehr, schließlich Stecke ich dann mitten in einem riesigen Stau der sich schön langsam durch die Stadt schleicht und mit meinen Koffern bin ich so breit das ich nicht wie die Rollerfahrer einfach rechts oder links vorbei fahren kann oder mitten durch. Mir wird mittlerweile ganz schön warm in meine Regensachen.

Endlich hab ich den Stadtteil erreicht in dem es laut meinem Handy die meisten Hotels gibt, hier muss sich doch ein bezahlbares Zimmer finden lassen denke ich mir doch da habe ich leider falsch gedacht. Der Grund für die riesige Rushouer ist das Chinesische Neujahrsfest das Heute und in den nächsten drei Tagen hier gefeiert wird und Georgtown ist wohl so etwas wie eine Hochburg der Chinesen. Kein bezahlbares Einzelzimmer ist zu finden, die so genannten Budget Hotels verlangen Preise von über 20 Euro, das ist mehr als das dreifache was ich normalerweise ausgebe. Ich renne durch die halbe Stadt und klappere eine Herberge nach der anderen ab, selbst ein  Bett im 12 Betten Schlafsaal kostet derzeit über 10 Euro, das ist eindeutig zu viel! Nach sehr langer Suche finde ich dann endlich ein Loch in das ich einziehen kann, etwa 2,5 qm groß, ein Bett ein Stuhl und ein Ventilator, Wände aus dünnem Sperrholz und einer Toilette sowie einer Dusche am Ende des Ganges. Stolze 7,50 Euro muss ich dafür hinblättern aber das war das Günstigste was ich finden konnte und ich habe fast zwei Stunden lang in der Hitze des Nachmittages gesucht. Am Abend bemerkte ich dann wer meine Mitbewohner waren, die örtlichen Transsexuellen Prostituierten! Herzlichen Glückwunsch! Zugegeben anfangs etwas wiederwillig stürzte ich mich dann doch noch in das bunte Treiben des Neujahrsfestes der Chinesen. Ich frage mich nur wie oft und wie lange dieses Fest denn eigentlich gefeiert wird denn bereits vor einer Woche auf Koh Lanta in Thailand wurde dieses Fest gefeiert, ein paar Tage später in Phuket wieder und jetzt hier in Georgtown auch wieder, das scheint wohl ein etwas größeres fest zu sein. Nirgendwo war allerdings so viel los wie hier bisher, die Straßen waren voller Menschen, in jeder Seitengasse gab es ein Showbühne und überall in der Altstadt war etwas los. Auf jeden Fall ich habe ich gelernt das das nächste Jahr im chinesischen Kalender das Jahr des Affen ist, deshalb auch die vielen Affenkostüme auf der Straße.  Um kurtz nach Mitternacht ist die Party an diesem Tag dann beendet, das  soll allerdings noch nicht die letzte gewesen sein. Gefeiert wird das ganze übrigens fast ohne Alkohol, mich selber trifft bei der Bierpreisermittlung fast der Schlag, über 1,50 Euro für eine kleine Dose Bier im Supermarkt, da verzichte ich gerne mal ein paar Wochen auf den sonst so geliebten „Hopfentee“! Meine Leber wird sicherlich auch sehr froh über diese kleine Pause sein. Pflichtbewusst habe ich mich natürlich noch am selben Abend bei Fazrul gemeldet, einer der Biker die ich damals im Norden von Thailand getroffen habe. Er hat ein „kleines“ Treffen mit ein paar Bikern von der Insel organisiert.

Am nächsten Tag schau ich mir dann die Altstadt ohne den ganzen Trubel des Neujahrsfestes an und will mir bei der Gelegenheit auch eine neue Bleibe suchen, das Treffen mit Fazrul und seinen Freunden ist erst in drei Tagen. Also klappere ich wieder einmal die verschiedensten Herbergen ab aber ohne wirklich erfolgreich zu sein. Die einzige alternative etwas günstiger wäre war ein fensterloses Loch mit einem alten Deckenventilator, der Rest den ich finden konnte war weit über meinem Budget, das Neujahrsfest der Chinesen läuft noch ein paar Tage in der Stadt. Da bleibe ich wohl noch ein ein paar Tage in der Gesellschaft der Liebesdienerinnen mit den muskulösen Oberarmen. Am diesem Abend wartet noch eine Überraschung auf mich, ich lerne drei weitere Motorradreisende kennen. Chantal die seit etwa 3 Monaten mit ihrer kleinen Yamaha XT 250 in Australien aufgebrochen ist und zurück nach Holland unterwegs ist, Michel aus Dänemark der seit über zwei Jahren mit seiner Honda African Twin unterwegs ist. Er ist einer der wenigen die es geschafft haben China ohne einen Guide zu bereisen, nur die erforderlichen Genehmigungen einholen und dann war er einen Monat im Reich der Mitte unterwegs und schließlich noch Simon aus Australien, Er ist mit seiner KTM erst seit zwei Wochen unterwegs und will sich Südostasien genauer anschauen. Mal sehen ob ich mit Ihm noch ein paar Kilometer zusammen fahren werde.

Insgesamt bleibe ich 5 Tage in Georgtown, tagsüber durchstreife die Altstadt und sehe mir die berühmten Wandgemälde an, genieße einen Kaffee und feiere an einem Abend noch ein weiteres mal das Neujahrsfest der Chinesen. Dieses mal gibt es allerdings auch ein riesiges Feuerwerk zu sehen so wie sich das gehört. Es knallt an jeder Ecke und es stinkt nach Schwefel, Wahnsinn. Am letzten Abend findet dann das kleine Treffen mit Farzul und seinen Freunden vom NVOG Club. Klein war das Treffen nicht gerade aber sehr Interessant. Ich werde wieder einmal reichlich beschenkt, unter anderem mit einem karierten Rock, der traditionellen bekleidung aus Myanmar wie mir erklärt wurde. Es war ein super Abend, danke nochmals an alle. Die Malayen sind wirklich ein Motorrad begeistertes Volk.

Am nächsten Tag geht es dann weiter in die Hauptstadt Malaysias, auf nach Kuala Lumpur. Auch wenn ich es eigentlich überhaupt nicht mag, ich halte mich wieder einmal an den Highway. Zwischen Georgtown und der Kuala Lumpur liegt ein weiteres Highlight des Landes, die Cameron Highlands. Allerdings lasse ich sie dieses mal aus und fahre auf direktem Weg in die Hauptstadt. Wenn mir vor etwa 18 Monaten zu beginn meiner Reise jemand gesagt hätte das ich einmal in eine Metropole wie Kuala Lumpur fahre ohne überhaupt die geringste Ahnung zu haben wo ich denn hin will dann hätte ich ihn wohl kräftig ausgelacht aber inzwischen ist das ganz normal geworden und es findet sich immer etwas, wenn nicht gerade die ganze Stadt voller Chinesen ist die Neujahr feiern wollen, wie lange das auch immer gefeiert wird. Genau so ergeht es mir auch Heute wieder, als ich am Straßenrand halte um mir den Stadtteil mit den meisten Hotels auszusuchen hält ein freundlicher Herr mit einem Roller neben mir fragt wo ich denn hin will. Da ich absolut keine Ahnung habe fährt er voraus und bringt mich in die Touristenhochburg KLCC, das liegt in unmittelbarer Nähe der Petronas Towers und er Hilft mir auch noch ein relativ günstiges Zimmer zu bekommen. Die Verhandlungen sind hart, es ist eben noch Hochsaison aber schließlich werden wir uns dann doch einig und ich bekomme ein relativ brauchbares aber kleines Zimmer zu einem recht passablen Preis. Zwar wieder ohne Fenster aber wenigstens ein eigenes Bad und sogar eine Klimaanlage.

Hier verbringe ich dann die nächsten Tage, schau mir die Towers an die wirklich beeindruckend sind, treffe mich noch einmal mit Stefan und Anette die gerade Besuch von ihrem Sohn haben und bereite den nächsten Abschnitt meiner Reise vor. Dazu muss ich allerdings mein Baby für ein paar Wochen irgendwo parken, es geht mit dem Flugzeug weiter. Sunny Cycle in Kuala Lumpur ist die Adresse für Motorradreisende. Hier kann ich mein Baby unterstellen und den Rest meines Gepäckes lassen, das ganze ist ein völlig kostenloser Service.

An meinem letzten Abend in Malaysia wird wieder einmal was gefeiert? Natürlich noch einmal das Neujahrsfest der Chinesen! Wie ich inzwischen gelernt habe dauern diese Feierlichkeiten wohl insgesamt 14 Tage, heute ist dann der letzte Abend. Besonders faszinierend fand ich die Löwentanz Vorführungen, das war schon ein besonderes Erlebnis und wie ich finde ein gelungener Abschluss meines ersten kleinen Aufenthaltes in Malaysia. Am nächsten Abend steige ich dann in den Flieger und nehme das nächste Land für einen Kurzbesuch unter Lupe. Mehr davon im nächsten Bericht.

 

 

 

4 Gedanken zu „Land Nummer 20, Malaysia!

  1. Tino das ist wieder ein wunderbarer Artikel ☺. Ich wünsche Dir weiter viel Spaß und halte die Ohren steif ??

  2. Sehr schöner gelungener Artikel Tino, wie in jedem Artikel gibt es auch hier was zu schmunzeln (unerwarteten Nachbarn) :-)))
    Auf bal mein lieber, take care.

    LG J&K Spessarträuber

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