Bereiste Länder: Türkei

Gefahrene km:     14139

 

Nach dem kurzen und wilden Ausflug in den Kaukasus bin ich wieder zurück in der Türkei. Ich warte auf Post, mein Reisepass und ein Päckchen aus der Heimat mit einem neuen Kettenöler, meinem Taucher Logbuch und noch ein paar Kleinigkeiten sollten demnächst bei Steffen in Trabzon ankommen. Die Sachen sind bereits seit 2 Wochen unterwegs. Außerdem benötigt meine Honda dringend neue Bremsen, die schleppe ich bereits seit Deutschland mit mir rum. Damit meine ich nicht nur die Bremsbeläge, nein wenn schon dann schleppe ich gleich noch die Bremsscheiben mit mir rum und das über 14000 km. Das wird jetzt erledigt, am Hinterrad sind schon gar keine Beläge mehr vorhanden, da schleift schon das blanke Metall auf der Bremsscheibe!

Es wird also allerhöchste Zeit mich von diesem Ballast zu befreien und es dahin zu packen wo es hin gehört. Zuerst brauche ich allerdings mal einen Platz zum Schlafen. Von einer Familie aus Österreich die wir beim Sumela Kloster getroffen haben hatte ich den Tipp bekommen einfach an der Küstenstraße entlang, etwa 20 km außerhalb von Trabzon, dort kann man wunderbar sein Zelt aufstellen. Es war bereits dunkel als ich den Platz gefunden hatte, viel Zeit habe ich nicht vergeudet, kurz umgeschaut, Tankstelle ist gegenüber (ist wichtig wegen der Toilette) und eigentlich direkt am Meer, nur die Steine muss ich da runter wenn ich baden gehen will. Erst am nächsten Morgen habe ich gesehen das dort leider alles voller Müll liegt, es war gar nicht so einfach eine Stelle zu finden über die ich ins Wasser gehen konnte. Etwas störend erwies sich auch die Nähe zur Straße, mein Zelt stand keine 10 Meter von der Hauptverbindungsstraße zwischen Trabzon und Istambul,  das wurde hin und wieder ganz schön laut aber man kann eben nicht alles haben. Am ersten Abend habe ich gleich noch Steffen besucht in der Hoffnung das meine Päckchen schon da sind, die Hoffnung stirbt aber meistens zuletzt, natürlich war noch nichts angekommen, ist ja auch erst seit eineinhalb Wochen unterwegs, was habe erwarte ich denn? Also kümmer ich mich erst einmal um das was ich dabei habe, die Bremsen sind Heute fällig. Eine Werkstatt ist schnell gefunden und trotz des Sprachproblemes klappt alles perfekt und günstig war es auch noch.

Danach musste erst einmal Internet gefunden werden, es wird Zeit für den nächsten Bericht. In Akcaabat fand ich ein nettes Köfte Lokal mit Internet und sehr netten Besitzern, es sollte noch mein Stammlokal werden. Das beste, nach etwas mehr als zwei Stunden Internet und drei Tee wollte ich zahlen aber sie wollten absolut kein Geld für den Tee annehmen, da komm ich gerne wieder. Auf dem Heimweg habe ich dann noch eine alte BMW R 45 erspäht, da musste ich einfach sofort anhalten und es ergaben sich wieder ein paar sehr lustige Gespräche mit Händen und Füßen da ich kein türkisch und sie weder deutsch noch englisch sprechen.

Da wusste ich allerdings noch nicht das ich so lange an einem Fleck bleiben würde.  In den nächsten Tagen habe ich so ein wenig die Umgebung erkundet, fast jeden morgen kam jemand anders vorbei der mich zum Frühstück einladen wollte oder einfach nur mal zum Quatschen, einmal kam sogar die Militärpolizei vorbei und hat sehr freundlich nach dem rechten geschaut. Ein deutsches Motorrad fällt eben auf. Ein Besuch bei Martina und Steffen in Trabzon sorgt immer für eine willkommene Abwechslung und zufällig wurde ich sogar Zeuge wie der türkische Präsident Erdogan die Stadt besuchte, besser gesagt ich sah seine Kolonne an mir vorbeifahren. Da wird ganz schön was Aufgefahren wenn der kommt. Die beiden hatten für den nächsten Tag einen Ausflug nach Bayburt geplant und haben mich dazu gleich eingeladen, das nehme ich doch dankend an und es war ein sehr schöner Tag mit viel Kultur. Mein Reisepass ist inzwischen auch angekommen, nur das Päckchen mit dem Kettenöler fehlt noch.

Am nächsten Tag dann ein Wiedersehen mit Sarah, Rüdiger und Hubert, sie sind von Ihrer Tour durch Armenien zurück. Hubert baut sein Zelt auf und die beiden anderen ziehen weiter, sie wollen nach Prag zurück und dann geht ihre Reise in Südostasien weiter, war eine gute Zeit mit Euch, gute Reise und danke für alles.

Das letzte Gruppenfoto mit Sarah und Rüdiger

Ein letztes gemeinsames Foto mit Sarah und Rüdiger.

Hubert`s BMW  brauchte auch eine kleine Wartung, Martina und Steffen wurden zum Essen eingeladen und ich habe inzwischen sogar schon so etwas wie ein soziales Leben, jeden Morgen hole ich mein Brot und was ich sonst so brauche im selben Geschäft, die Leute von der Tankstelle laden mich zum Tee ein und immer wieder bekomme ich Besuch. Sogar einen Wachhund hab ich schon. Wenn ich noch ein wenig länger hier bleibe dann bekomme ich noch die Post ans Zelt geliefert. Kurz gesagt, ich muss weg.

 

Kurz gesagt ich muss weg.  Mein Päckchen ist zwar immer noch nicht angekommen aber das kann auch noch zwei oder drei Wochen dauern. So lange können wir auf gar keine Fall mehr warten also ziehen wir los.  Selim, einer der guten Bekannten der mich öfter besucht hat wollte unbedingt noch ein Frühstück ausgeben, das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Selim fährt übrigens nicht nur ein sehr schönes Auto sondern will nächstes Jahr auch eine ähnliche Tour machen wie wir gerade. Er hat auch geholfen mein Problem mit dem defekten Handy zu lösen, danke nochmals, das war Handy funktioniert tadellos und für den Preis hätte ich es niemals bekommen. Viel Glück bei deiner Reise und halt die Ohren steif.

Zum Ararat, dem heiligen Berg wollen wir. Das ist die letzte Station vor der Grenze zum Iran. Am morgen sah das Wetter schon nicht besonders gut aus, da braute sich wohl etwas zusammen aber was soll`s wir fahren nach dem gemeinsamen Frühstück und dem Handykauf (übrigens schon der dritte während der Reise) los. Erster Stop ist in Gemüshane. Nach der wohl schlechtesten Pizza die ich jemals gegessen habe und einem Kaffee auf einer wunderschönen Dachterrasse wollen wir weiter aber erst einmal heißt es Regensachen anziehen, es fängt an ziemlich stark zu regnen und in der ferne ist auch schon das Donnergrollen zu vernehmen. Das kann ja lustig werden. Wenn ich gewusst hätte was da noch auf mich zu kommt hätte ich glaube ich gleich ein Hotel gesucht.

Da habe ich doch im letzten Beitrag meine kleine Honda so gelobt, alles hat sie in Georgien mitgemacht, Schlamm, Dreck, Regen, Kälte, Wasserdurchfahrten, große Höhen und sogar Schnee, alles ohne irgendwelche Probleme aber Heute fängt sie plötzlich an mich zu ärgern.  Es regnet in Strömen, wir fahren durch eine Baustelle und kurz vor einem Tunnel geht sie plötzlich aus, einfach so. Ich fasse es einfach nicht, eine Reperatur hier in der Baustelle ist unmöglich, irgendwie gelingt es mir trotz des starken Verkehrs umzudrehen und die Kiste aus der Baustelle zu schieben. Zum Glück ging es ein wenig Bergab. Die erstbeste Gelegenheit wird genutzt um von der Straße zu kommen. Fehlersuche ist jetzt erstmal angesagt. Einen etwas Wetter Geschützen Platz hätte ich mir dazu allerdings gewünscht aber wenigstens konnte ich mein Gepäck trocken ablegen, ich muss das Gepäck runternehmen, die Sitzbank abbauen und den Tank runternehmen, wie immer habe ich natürlich gerade erst getankt! Ich könnte heulen, alles im strömenden Regen. Kleine Ursache, große Wirkung, Zündkerzen sind trocken, Zündfunke ist da also stimmt etwas mit der Benzinzufuhr nicht, ein wenig rumschrauben und die Kiste Läuft wieder, aufrödeln und nichts wie weiter, der Regen lässt gerade etwas nach.

Tja, was soll ich sagen, ich komme etwa 25 Km weiter, dann steht die Kiste wieder. Zum Glück schaffe ich es dieses mal das rettende Dach einer Tankstelle zu erreichen. Das ganze nochmal von vorne. Ich dreh durch. Dieses mal wird richtig tief nach der Ursache der Spritunterversorgung gesucht und siehe da, einer der kleinen Schläuche die für die Belüftung des Tankes zuständig sind war Verstopft. Dieses mal keine Fotos, wieder starker Regen und es wird kälter. Meine Honda will wohl in der Türkei bleiben. Die ganze Aktion hat fast drei Stunden gedauert. Endlich können wir weiter, es dämmert allerdings schon langsam. Nachtfahrten machen nicht nur keinen Spaß, sie sind auch nicht unbedingt ungefährlich und bei diesem Wetter erst recht nicht. Es will einfach nicht aufhören zu regen und es wird richtig kalt. Als wir über den 2600 Meter hohen Pass zwischen Bayburt und Erzurum fahren. Irgendwie fährt sich meine Maschine wirklich nicht gut, sie schwimmt und ist extrem Instabil. Entweder habe ich das Gewicht des Gepäckes falsch verteilt oder ich verliere Luft vom Hinterreifen. Noch lässt sie sich fahren, also weiter, hier oben bekomme ich eh keine Hilfe und es ist inzwischen sehr kalt geworden, ich schätze mal so um die 5 ° C. Mein Thermometer war leider in meinem Kettenöler integriert und der war bekanntlich bis heute morgen noch nicht da. An der ersten Tankstelle im Tal sehe ich was wirklich los ist, mein Hinterreifen hat gerade mal noch so viel Luft das er nicht auf der Felge fährt. Eine Reperatur hier ist unmöglich sagte man mir, also Luft rein und weiter, so einen richtig schönen „schleichenden Plattfuß“ habe ich mir da eingefahren. Die nächste Tankstelle ist in Erzurum, dem Wintersportzentrum der Türkei. Wir finden gleich am Stadtrand eine kleine Werkstatt, der junge Mann spricht natürlich weder deutsch noch englisch und wir auch kein Türkisch aber es war trotzdem schnell klar was wir wollten. Das Moped muss ich nun zum dritten mal abrödeln und rein in die kleine Werkstatt. Zum glück war die sehr gut geheizt und wir konnten uns mal richtig aufwärmen, sogar die Stiefel wurden fast wieder trocken. Schnell habe ich das Hinterrad ausgebaut und der Mechaniker machte sich sofort ans Werk. Einen kleinen Metallspan hatte ich mir da eingefahren. Wieder über eine Stunde die wir da zugebracht haben aber es war eine recht lustige Reparatur, der Mechaniker war ein recht lustiger Bursche der von Fotos gar nicht genug bekommen konnte und am ende wollte er gerade mal 2 Euro für die Reparatur und einen neuen FB Freund habe ich auch gleich noch gewonnen.

Schon der zweite den ich mir in diesen Reifen eingefahren habe. Es ist schon fast 21:00 als wir weiterfahren können. Erzurum ist mit Sicherheit eine Reise Wert, wir machen leider nur eine kurze Stipvisite bei Nacht. Wir fahren immer weiter in Richtung Osten, inzwischen ist es allerdings so kalt das wir um kurz nach Mitternacht das einzig richtige machen, wir nehmen im Städtchen Agri das erste beste Hotel, Duschen und legen uns sofort ab. Am nächsten Tag geht es dann auf die Letzten Kilometer bis zur Grenze zum Iran. Die letzte Übernachtung machen wir auf dem Murrat Camping in Dogubayazit, die Stadt am Arart, dem heiligen Berg. Auf dem Campingplatz sind wir die einzigen Gäste, die Saison ist wohl schon Vorbei. Als wir dann am nächsten Tag zur Grenze aufbrechen zeigt sich der Ararat sogar von seiner besten Seite, ohne Wolken.

 

Das waren dann 4 Wochen Türkei, ich kann nur sagen es war sehr schön. Ich habe sehr viele nette Leute getroffen, sehr viele schöne Orte besucht, viele Erlebnisse die ich hoffentlich nie vergessen werde. Ich bin mir sicher das ich das eine oder andere mal den berühmt berüchtigten „Touristenaufschlag“ bezahlt habe aber ich wurde auch zu mindestens 5 Liter Tee eingeladen. Die Gastfreundschaft ist wirklich unglaublich, ich habe mich niemals unsicher gefühlt, sehr oft stand meine Maschine komplett aufgerödelt mitten in der Stadt oder auch mein Zelt über mehrere Stunden ganz alleine neben der Straße. Es war eine sehr schöne Zeit.

GÜLLE GÜLLE Türkei!

Ein Gedanke zu „Ein Abschied mit Hindernissen!

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