Bereiste Länder:  Pakistan

Gefahrene km:     18082

Na das fängt ja gut an! Gleich meine erste Nacht in Pakistan verbringe ich im Gefängnis!

Was ist passiert?  Wie ich in meinem letzten Bericht bereits geschrieben habe benötigten wir für die Einreise nach Pakistan etwa 6 Stunden! Als wir endlich mit den kompletten Grenzformalitäten fertig waren war es bereits viel zu spät um bis nach Dalbandin zu fahren. Also wieder zurück zu Plan A, wir übernachten hier im Grenzort Taftan und fahren dann morgen die 650 km bis nach Quetta. Abfahrt wieder um 04:30 Uhr! Hubert und ich hatten derweil noch ein kleines Problem zu lösen, wir brauchen dringend Sprit aber eine Tankstelle ist hier nirgendwo in Sicht. Die Lösung dieses Problems ist denkbar einfach. Während wir auf dem Zollhof auf die Bearbeitung unserer Carnet`s warten gehen Hubert und ich zu den Typen da überall rumsitzen und fragen einfach mal nach und siehe da, fünf Minuten später kommt ein Moped mit den bestellten 20 Litern Sprit angefahren und wir füllen die Tanks der durstigen Maschinen.

Das wir nicht mehr im Iran sind macht sich gleich beim Preis für diese erste Füllung bemerkbar. Die kostet gleich mal mehr als doppelt soviel wie gestern.

In Taftan gibt es nur leider keine Hotels also wurden wir in der Polizeistation untergebracht. Die Wohnmobile parkten vor der Station und wir mussten mit unseren drei Motorrädern in den kleine Innenhof der Polizeistation fahren. Wir staunten nicht schlecht als wir erkannten das sich in diesem Innenhof auch das Gefängnis befindet. Eins weiß ich mit Sicherheit, niemals will ich in einen pakistanischen Knast! Hier verschafft man sich noch auf die gute alte Art und Weise Respekt! Falsche oder vorlaute Antworten führen hier sehr schnell zu plötzlich auftretenden, heftigen einseitigen Ohrenschmerzen. Wie auch immer, wir bekamen unser Quartier in einem Büro zugewiesen und haben die paar Stunden bis zur Abfahrt gut schlafen können. Gegen 22:00 Uhr kam

Aufstehen um 03:45 Uhr! Ein schneller italienischer Kaffee der jeden Toten wieder zum Leben erweckt, alles wieder zusammen packen, gut Verschnüren und dann ab zu den WoMos, die warten schon. Pünktlich um 04:30 Uhr setzt sich der Konvoi aus 15 Wohnmobilen, 3 Motorrädern und einem Polizei Jeep als Eskorte in Bewegung. Auf geht`s zu einem langen Tag in der Wüste! Fast wäre es ein Fehlstart gewesen denn schon nach etwa einem Kilometer streikt plötzlich die BMW von Hubert! Keinen Ton gibt sie mehr von sich, kein Lebenszeichen ist mehr zu erkennen und das nach gerade mal 15 Minuten! Fieberhaft beginnen wir mit der Fehlersuche, was kann das nur sein? Nach etwa 10 Minuten ist der Fehler gefunden, ein Wackelkontakt im Zündschloss hat die ganze Aufregung verursacht, darauf muss man aber auch erst einmal kommen.

Es kann also weiter gehen. Auf in die Wüste von Pakistan und von jetzt an immer dabei, die liebe Polizei. Wir werden rund um die Uhr bewacht seit wir dieses Land betreten haben.  Ein kleiner Tipp für alle die mal nach Pakistan Reisen, bereitet Euch vor. Legt Euch eine Liste nach folgenden Muster  an:

Name, Vorname      PassNr.       Nationalität      VisaNr.       Kennzeichen

kopiert diesen mindestens 30 mal, besser 50 mal, das spart bei den unzähligen Checkpoints unglaublich viel Zeit. Ansonsten muss das alles nämlich jeder einzelne Handschriftlich in ein Buch eintragen und das dauert dann Ewigkeiten. Eines kann ich über die pakistanische Polizei sagen, sie sind sehr gut organisiert. Es stand immer eine neue Eskorte an jedem Checkpoint bereit und wir mussten nie auch nur eine Minute warten. Es war ein sehr langer und sehr anstrengender Tag. Wir fahren durch die Wüste von Pakistan, die Straße ist mal mehr und mal weniger mit Sand bedeckt, eine atemberaubende Landschaft mit ein paar vereinzelten leerstehenden Häusern die durch einen herrlichen Sonnenaufgang gekrönt wird.

Was dann folgte waren viele Stunden mit viel Sand und immer höheren Temperaturen aber wir sind ja keine Anfänger was das fahren in der Wüste betrifft. Wir haben da im Iran bereits mehrere hundert Kilometer Erfahrung gesammelt aber es strengt doch sehr an, besonders wenn man von der Sonne frontal geblendet wird. Mit der Sonne in der Wüste ist es genau so wie mit dem Wind im Norden von Deutschland, es ist egal in welche Richtung man fährt, beide kommen immer gnadenlos von vorn! Immer weiter durch die Wüste Pakistans, langsam wird es allerdings etwas belebter. Immer größer werden die Dörfer die wir passieren und immer kürzer werden die Abstände zwischen den Checkpoints. Immer wenn wir mal wieder an einem Chekpoint halten müssen werden wir eigentlich sofort umringt aber unsere Beschützer achten sehr genau darauf das uns niemand zu nahe kommt. Sofort werden alle Kontaktversuche unterbunden, lediglich ein paar Fotos können wir machen.

Wie gesagt, so ging es den ganzen Tag durch die Wüste und als es langsam dunkel wurde erreichten wir die Berge, war ja klar, den ganzen Tag in der sengenden Sonne und wenn Nacht wird rauf in die Berge, da wo es schön kühl ist. Das heißt kalt ist nur mir geworden, meine Honda fing plötzlich an zu kochen, die Temperaturanzeige bewegte sich langsam aber unaufhaltsam in den roten Bereich. Das Kühlwasser kochte und ich konnte nur eins tun, schneller fahren. Also vorbei an den WoMo`s bis der Zeiger wieder raus aus dem roten Bereich war. Das funktionierte ganz prima bis wir gegen 23:00 Uhr endlich Quetta erreichten. Im nächtliche Stadtverkehr fing sie nach kurzer Zeit wieder an zu Kochen. etwa eine halbe Stunde später erreichten wir dann endlich unser Quartier für diese Nacht, wieder eine Polizeistation. Wir waren alle ziemlich fertig, alle verkrochen sich schnell in ihre Schlafsäcke. Am nächsten morgen zog die Wohnmobilgruppe um 08:00 Uhr weiter. Übrig geblieben sind ein kleiner roter VW Bus, ein großes rotes Feuerwehrauto und drei kleine Motorräder. Um Quetta wieder zu verlassen benötigt man ein Dokument namens NOC, das bekommt man auf der dafür zuständigen Behörde. Da man sich in Quetta sowieso keinen Meter ohne Polizeieskorte bewegen darf reicht es wenn man den Polizisten sagt was man braucht und die fahren einen dann schon zur richtigen Stelle. Bei uns hat das jedenfalls ausgezeichnet funktioniert. Vom Blom Star Hotel aus wurden wir zu der Behörde gefahren, danach noch ein paar kleine Besorgungen auf dem Markt und dann wieder wieder zurück in`s Hotel.

Bereits am Nachmittag des selben Tages hielten wir unser NOC in der Hand, Klasse, das kann auch schon mal zwei oder drei Tage dauern. So konnten wir bereits am nächsten Morgen Quetta wieder verlassen. Die nächste Stadtion auf unserer Reis war Sukkur. Am Anfang ging es weiter durch die Berge, wunderschöne Strecke. Je näher wir der Stadt kommen umso schlechter wird die Luft, eine dicke Dunstglocke liegt da über der Stadt. Der Grund dafür sind die vielen Ziegeleien die sich hier entlang der Straße angesiedelt haben. Von Sukkur selber haben wir eigentlich nichts gesehen, nur ein viel zu teures und sehr schlechtes Hotel, den Namen hab ich schon wieder vergessen. Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Multan, so schnell wie es die Eskorten zulassen versuchen wir voran zu kommen aber es ist wieder einmal dunkel als wir Multan erreichen. Dort wurde uns ein Empfang bereitet mit dem nun wirklich keiner von uns gerechnet hat, Blumenkränze, kühle Getränke und ein Menschenauflauf, was ist hier nur los? Verantwortlich für diesen Empfang war Mister Muhammad Iqbal Ghangla, ein Facebook Freund von Antonio. Die Italiener quartierten sich bei Ihm ein und Hubert und ich wurden für den nächsten Tag eingeladen. Für heute Nacht suchten wir uns erst einmal wieder ein Hotel und am nächsten Morgen hieß es dann wieder einmal Abschied nehmen von den beiden roten Wohnmobilen. Wir nehmen sehr dankbar die Einladung von Iqbal an und bleiben die nächsten drei Tage in Multan. Unsere Maschinen brauchen dringend einige Reparaturen.  Bei mir funktioniert das Thermostat nicht mehr, die Kette muss nachgespannt werden und ein Gabelsimmerring ist undicht! Sofort nach der Ankunft fangen wir an zu werkeln und zu schrauben. Am Nachmittag machen wir dann einen Ausflug nach Multan. Noch nicht viele Touristen haben einen Stadtbummel in gemacht glaube ich, die meisten schlafen hier eine Nacht im Hotel und fahren am nächsten morgen weiter. Während des gesamten Ausfluges wurden wir übrigens von der Polizei eskortiert. Am nächsten Tag wurde dann der Gabeldichtring gewechselt, der Mechaniker war ganz schön Fit, nicht mal 30 Minuten hat das ganze gedauert. Noch etwas neues, Heute bewegte ich mich zum ersten mal in Pakisatan ohne Polizeieskorte. Als dann am Nachmittag auch noch 3 Biker aus Neuseeland, Australien und Holland ankamen hatten wir wirklich ein Internationales Bikertreffen.

Eigentlich wollten wir Pakistan so schnell wie möglich durchqueren und weiter nach Indien ziehen aber Pläne ändern sich manchmal. Die Italiener wollen in den Norden, den Karakorum Highway bis an die Grenze zu China, wieso eigentlich nicht, so schnell komm ich hier nicht wieder her. Also ab in den Norden auf die höchstgelegene Fernstraße der Welt!

Ein Gedanke zu „Pakistan! Ohne Polizeieskorte geht nix!

  1. Na entlich klapp bei dir wieder alles mit der technik ich werde demnächst mal klecks aktivieren gute fahrt und viel spaß bis später

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